Pankow - Seit einer Woche fühlen sich die Anwohner am Mauerradweg an der Dolomitenstraße zutiefst verunsichert. Viele gehen, wenn überhaupt, nicht mehr allein an der Bahntrasse spazieren. Der Grund: Vor einer Woche wurde in dem Park an der Kleingartenanlage Bornholm II Melanie R. ermordet

Die Polizei reagierte schnell: Nach der Tat wurden die Streifen verstärkt, auch Beamte in zivil seien unterwegs, hieß es im Polizeipräsidium. Die Anwohner aber beruhigt das nicht. Carlotta M. beschreibt ihr Gefühl, wenn sie am Abend durch den Park fährt, um nach Hause zu kommen, als komisch. „Ich fahre lieber einen Umweg“, sagt die Studentin.

Angst und Unsicherheit

Der 28 Jahre alte Paul F. macht sich Sorgen um seine Mutter. Sie laufe häufig durch die Grünanlage. Seit dem Mord habe er jedoch ein mulmiges Gefühl. „Ich habe ihr geraten, nur noch in Begleitung spazieren zu gehen. „Jedenfalls so lange, bis der Mörder gefasst ist.“

Siegrid S. ist 67 Jahre alt. Es sei schlimm, dass man sich hier nicht mehr sicher fühlt, sagte die Seniorin. „Es gibt keine Beleuchtung. Nachts ist es stockdunkel, Abends traue ich mich nicht mehr hier entlang zu gehen.“

Die 42 Jahre alte Kathrin W. ging bis vor einer Woche noch gern mit ihren beiden Hunden Philippo und Giovani an der S-Bahn-Trasse spazieren. Nun sei sie vorsichtig und habe Angst. Auch sie verlange, dass sich der Bezirk etwas einfallen lässt, um für Sicherheit zu sorgen. Eine ordentliche Beleuchtung wäre schon mal ein richtiger Schritt und ein Anfang, sagt sie.

Mehr als 100 Hinweise

Mehr als einhundert Hinweise sind inzwischen bei der Mordkommission eingegangen. Entscheidend dafür, so die Polizei, war die Veröffentlichung eines Fotos, auf dem ein braunes Basecap abgebildet ist. Diese Mütze soll der Täter getragen und am Tatort verloren haben.

Die Ermittler der 5. Mordkommission schließen nunmehr auch nicht aus, dass es sich bei dem Täter um einen Exhibitionisten handelt, der bereits im Februar dieses Jahres Spaziergänger belästigt und sexuelle Handlungen an sich vorgenommen haben soll. Eine Frau hatte ihn angezeigt. Der Mann wurde noch nicht gefasst.

DNA-Vergleich brachte keine Übereinstimmung

Im jüngsten Fall haben die Fahnder keine Zeit zu verlieren. Sie tun alles, um den Mann zu finden. Bevor er die Sozial-Media-Beraterin vermutlich am Freitag vor einer Woche tötete, wehrte sich die Frau und kratzte ihn bei einem Gerangel an den Unterarmen. Entsprechende Hautpartikel unter den Fingernägeln stellten Rechtsmediziner bei der Obduktion der Frau sicher.

Ein DNA-Vergleich brachte jedoch keine Übereinstimmung, sodass die Ermittler davon ausgehen, dass der Mörder noch nicht auffällig wurde. Die Verletzungen müssten noch zu sehen sein, sagen Polizisten und bitten auch weiterhin um Hinweise.

Unklar ist noch, ob Melanie R. am Freitag vergangener Woche allein im Park unterwegs war. Noch hat die Polizei dazu keine eindeutigen Aussagen. Zeugen hatten berichtet, dass sie sich gerne an der Bahntrasse aufhielt. Sie lag häufig auf einem Hang an der S-Bahn und las ein Buch.