Nach dem Regierungsumzug: Teure Leerflüge im Doppelpack

Berlin - Dann fliegt die Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung gewissermaßen im Doppelpack. Darüber ärgert sich die Berliner Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch (Linke). Denn die zusätzlichen Leerflüge, intern „Spare-Flüge“ genannt, haben von 2001 bis 2011 fast 1,6 Millionen Euro gekostet.

Das teilte das Verteidigungsministerium der Politikerin jüngst mit. „Mit dem Transport von heißer Luft gibt die Bundesregierung kein gutes Beispiel für Nachhaltigkeit und Sparsamkeit“, sagte Lötzsch der Berliner Zeitung.

Kosten 2011: 500.000 Euro

Auch fast 22 Jahre nach der Wiedervereinigung ist die Bundesregierung in Bonn stark vertreten, mit Ministerien und anderen Einrichtungen. Die Flugbereitschaft des Verteidigungsministeriums hat am Rhein ihren wichtigsten Standort: in Köln-Wahn.

Will ein Regierungsmitglied von Berlin aus verreisen, muss das Flugzeug von Köln dorthin überführt und später wieder zurückgebracht werden. Öffentlich kaum bekannt ist, dass oft zusätzlich noch eine zweite Maschine aufbricht.

„Bei Flügen ausgewählter Repräsentanten der Bundesregierung“, so formuliert es Lötzsch, müsse „neben der Bereitstellung und Zuführung des eigentlichen Luftfahrzeugs auch eine Spare-Maschine in Berlin bereitgestellt werden“. Das hat ihr Steffen Kampeter (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesministerium der Finanzen, bestätigt.

„Spare“ ist englisch und bedeutet „Ersatzteil“: Ist das erste Flugzeug defekt, steht ein zweites parat. Allein im vergangenen Jahr gab es 58 solcher Leerflüge zwischen Köln und Berlin, so Kampeter. Kosten: mehr als 530 000 Euro. 2010 fanden 30 Spare-Flüge statt, für knapp 230 000 Euro.

Laut Kampeter ist das kein Problem: All diese Flüge wurden für Ausbildungszwecke genutzt und dafür, dass die Piloten die geforderte Zahl von Flugstunden absolvieren. Doch Lötzsch bleibt dabei: „Der Umzug der Flugbereitschaft nach Berlin muss umgehend erfolgen. Auch wenn der Flughafen Schönefeld noch nicht fertig ist.“