Gewitter, Alarmanlagen und Feuerwehrleute sind nicht für einander geschaffen. Als die himmlischen Gewalten in der Nacht zum Sonntag über Berlin hereinbrachen, zählten Meteorologen mehr als achttausend Blitze, dreitausend allein zwischen 2.30 und 3 Uhr. Das ist Rekord.

Die vielen Blitze sorgten dafür, dass automatische Brandmeldeanlagen reihenweise Fehlalarme auslösten und die Feuerwehr zeitweise nicht mehr wusste, wo sie noch Kräfte herholen sollte. „Wir zählten über 30 Fehlalarme aus Hotels, Krankenhäusern oder Bürogebäuden“, sagt Feuerwehrsprecher Jens-Peter Wilke. So zeigte die in seinem Lagezentrum aufgeschaltete Meldeanlage des Krankenhauses Neukölln um 2.12 Uhr ein Feuer im Bereich Nuklearmedizin an. Vier Staffeln mit insgesamt 30 Feuerwehrleuten eilten hin, weil die Feuerwehr bei Krankenhäusern hochsensibel ist. Vor Ort wurde klar: Es war falscher Alarm.

Um 2.50 Uhr meldete die Alarmanlage eines Hostels in Kreuzberg fälschlicherweise einen Brand und vier Staffeln der Feuerwehr rasten zum Einsatzort. Um 3.06 Uhr war es dann ein Zehlendorfer Altenheim und um 3 Uhr wieder die Neuköllner Nuklearmedizin.

Haus brannte ab, während Feuerwehr wegen Fehlalarm ausrückte

Derweil brannte in Tempelhof ein Reihenhaus ab, weil ein Blitz eingeschlagen hatte und die Feuerwehr nicht rechtzeitig da war. Die war nämlich gerade unterwegs zum Wenckebach-Krankenhaus im selben Bezirk, wo um 3.05 Uhr die Brandmeldeanlage falschen Alarm gegeben hatte. Und um 3.09 Uhr rückte die Feuerwehr am Roten Rathaus in Mitte an – dort allerdings nur mit einer Staffel, weil im Amtssitz von Klaus Wowereit niemand zu retten war.

Fehlfunktionen hatten Brandmeldeanlagen aller namhaften Hersteller. „Es könnte sein, dass die Übertragungswege zur Feuerwehr gestört wurden, wenn ein Blitz in der Nähe einschlug“, vermutet zum Beispiel eine Sprecherin der Firma Bosch.

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Als Blitze mit 100 Megavolt durch die Luft zuckten, haben sie die Luft statisch so stark aufgeladen, dass sie die empfindliche Elektronik der Meldeanlagen beeinflussten, vermutet wiederum die Feuerwehr. „Wir werden darüber jedenfalls mit den Herstellern reden“, sagt Jens-Peter Wilke.
Dieses Phänomen ist nicht ganz unbekannt. Um Kindern das Bettnässen abzugewöhnen, kann man im Handel spezielle Höschen mit Feuchtigkeitsdetektor beziehen. Beim ersten Tropfen geht im Elternschlafzimmer ein Alarm los. Jedoch kann es zwischen einem Schlafanzug mit hohem Synthetik-Anteil und der Gummiauflage auf der Matratze zur elektrostatischen Aufladung kommen, die den Sensor unbeabsichtigt auslöst.