Berlin - Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) warnte den Senat erneut vor der Umsetzung der Pläne. Dies würde die Zerschlagung des Verkehrssystems bedeuten und brächte keine Verbesserung für Kunden oder Beschäftigte, sagte EVG-Vorstandsmitglied Reiner Bieck am Freitag. Dieser Auffassung widersprach die Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK).

Am Donnerstag war bekanntgeworden, dass die Deutsche Bahn als Mutterkonzern den Verkauf der S-Bahn an das Land Berlin endgültig abgelehnt hat. Das bestätigte Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) in seiner Regierungserklärung.
Trotz geringer Erfolgsaussichten war für den Senat der Kauf der Bahn stets die erste Option, um die anhaltenden Probleme bei der krisengeschüttelten S-Bahn in den Griff zu bekommen. „Diese Option ist vom Tisch“, sagte Wowereit. Es sei daher die logische Folge, dass ein Teil des Streckennetzes nach Auslaufen des Verkehrsvertrags 2017 ausgeschrieben werde.

Nach Ansicht der IHK muss die Ausschreibung sofort beginnen. „Es ist höchste Eisenbahn für den Start der Ausschreibung“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Christian Wiesenhütter. Die fünf Jahre, die bis zum Auslaufen des Vertrags blieben, bräuchten die Bewerber für die Vorbereitung einer möglichen Übernahme.

Allein die Bestellung neuer Wagen für den S-Bahn-Betrieb koste immens viel Zeit. Nötig sind die Neubestellungen, weil die Deutsche Bahn den Verkauf ihrer Züge bislang kategorisch ablehnt.

Trotz der Schwierigkeiten bezeichnete Wiesenhütter die Ausschreibung als alternativlos. Sie sei „der einzige Weg zu mehr Service und Zuverlässigkeit im öffentlichen Personennahverkehr“. Bei der EVG sieht man das allerdings komplett anders. Die Beschäftigten hätten in den vergangenen Monaten alles dafür getan, dass die S-Bahn aus der Krise komme, sagte Bieck. Es wäre ein Schlag in deren Gesicht, „wenn man jetzt ihre Arbeitsplätze einem falsch verstandenen Wettbewerbsdenken opfert“.
(dapd)