Die ersten Laubbäume haben gelbe Blätter, andere sind sogar schon kahl – als wäre es bereits Herbst. Wer in diesen Tagen in der Stadt unterwegs ist, wundert sich vermutlich über den ungewöhnlichen Anblick mancher Straßenbäume.

Der Grund sind die große Hitze und Trockenheit der vergangenen Wochen. Der Vorgang allein sei noch kein Alarmzeichen, dass die Bäume absterben, wie Derk Ehlert von der Senatsverwaltung für Umwelt sagt, sondern ein natürlicher Schutz: „Die Bäume werfen ihr Laub ab, damit sie kein Wasser über ihre Blätter verlieren.“

Erste Entwarnung

Ob die Hitze der letzten Wochen den Bäumen auf Dauer geschadet hat, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Man müsse abwarten, bis sie im Frühjahr wieder austreiben, so Ehlert. Nur so viel: Im Allgemeinen könnten gesunde Bäume – die nicht auch noch Schäden an den Wurzeln haben oder durch Abgase beeinträchtigt sind – so eine Hitzeperiode gut überstehen.

Damit gibt Ehlert eine erste Entwarnung für die rund 438.000 Straßenbäume Berlins und für die zahllosen Bäume in den Parks und Grünanlagen der Stadt. Zumal es in den kommenden Tagen zwar sommerlich warm, aber nicht mehr so extrem heiß und trocken werden soll. „Das Schlimmste ist vorbei“, sagt Ehlert.

In den vergangenen Wochen hatten sich viele Berliner bereits Sorgen um ihr Stadtgrün gemacht. Die Grünflächenämter kamen mit dem Wässern kaum noch nach, das Bezirksamt Pankow rief deshalb Anwohner dazu auf, Bäume in der Nachbarschaft zu gießen: einmal pro Woche etwa sechs bis acht Eimer Wasser pro Baum oder acht bis zehn Minuten Wasser aus dem Schlauch.

Gerade bei den Jungbäumen entlang der Straßen sei eine ausreichende Bewässerung wichtig, so Pankows Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD). Bäume in Parkanlagen und ältere Gewächse seien widerstandsfähiger. In Pankow seien zwei Tankwagen unterwegs, um die Straßenbäume zu gießen. Außerdem habe man zwei Firmen unter Vertrag, die zehnmal pro Saison zum Wässern ausrücken. Aber die Trockenphase der vergangenen Woche sei eine außergewöhnliche und schwierige Situation gewesen, sagt Köhne, deshalb habe er die Anwohner um Unterstützung gebeten. Und auch wenn die größte Hitzewelle wohl vorbei ist, wäre es noch gut, wenn Anwohner weiter gießen. Der Regen der vergangenen Tage war noch nicht ausreichend.

Auch anderswo, etwa in Hermsdorf oder Friedrichshain-Kreuzberg hätten Anwohner Bäume gegossen, sagt Derk Ehlert. Das sei großartig. Er geht davon aus, dass die meisten Bäume die Trockenphase einigermaßen heil überstanden haben. Eine Hitzephase sei auch nicht immer schädlich für die Bäume. Durch die Trockenheit würden die Bäume gezwungen, Wurzeln weiter nach unten ins Erdreich auszubilden. Auf lange Sicht würden sie dadurch widerstandsfähiger.

Auch wenn Berlins Bäume einen trockenen Sommer weitgehend unbeschadet überstehen können, langfristig wird ihnen der prognostizierte Klimawandel mit einer erwarteten Erwärmung um durchschnittlich 2,5 Grad und milderen Wintern vermutlich doch zu schaffen machen. Erst im Juli hatte die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten darauf hingewiesen, dass der Klimawandel den Bäumen in den historischen Schlossparks zusetzt. Es sei ein erhebliches Problem, die alten Bestände so zu sichern, wie es der Welterbe-Status der Parkanlagen erfordert, hieß es.