Die Demonstranten versteckten sich unter Regenschirmen und hinter Seitentransparenten.
Foto: Andreas Kopietz

BerlinNach der Krawalldemo anlässlich der Räumung der „Liebig 34“ hat die Polizei inzwischen 94 Strafverfahren zu 104 Straftaten eingeleitet. Diese Zahlen nannte die Polizei auf Anfrage der Berliner Zeitung. „Die Diskrepanz zwischen der Anzahl der Strafermittlungsverfahren und der Anzahl der festgestellten Straftaten ergibt sich aus dem Umstand, dass Tatverdächtige mehrere Straftaten begangen haben“, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch.

Am Freitagabend war eine linksradikale Demonstration mit rund 2000 Teilnehmern vom Monbijoupark aus durch Mitte gezogen. Die Demonstranten protestierten gegen die Räumung des „anarcha-queer-feministischen Wohnprojektes“ an der Liebigstraße 34 in Friedrichshain am Morgen durch die Polizei. Der Eigentümer hatte eine Räumungsklage gegen den Verein gewonnen, in dem die Bewohnerinnen organisiert waren und dessen Mietvertrag seit Ende 2018 ausgelaufen war.

Schon kurz nach dem Start endete die Demonstration in Chaos und Gewalt. Die Polizei registrierte aus dem Aufzug heraus beziehungsweise in seinem Umfeld 66 Sachbeschädigungen. So schlugen Demonstranten zahlreiche Schaufensterscheiben ein und demolierten Autos. Zehn Ermittlungsverfahren leitete die Polizei wegen Landfriedensbruchs ein. Zudem ermittelt die Polizei in acht Fällen wegen Brandstiftung an Autos. In einigen Fällen hatte die Flammen auf weitere Fahrzeuge übergegriffen. Fünf Verfahren wurden wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte eingeleitet, drei weitere Verfahren wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte.

Am Aufzug waren laut Polizei 1.019 Beamte eingesetzt. Als die Situation am Hackeschen Markt eskalierte, hatte sich die Polizei für längere Zeit augenscheinlich zurückgezogen. Fast eine halbe Stunde lang konnten die Demonstranten ungestört in der Alten Schönhauser Straße randalieren. Ein hochrangiger Polizeiführer hatte bereits gegenüber dieser Zeitung vermutet, dass bei der Kräftesteuerung „einiges schiefgelaufen“ sein müsse. Man habe die Situation falsch eingeschätzt. Dagegen sagte der Polizeisprecher: „Eine gänzliche oder weitestgehende Entblößung des Aufzuges von Einsatzkräften im Bereich des Hackeschen Marktes und der Alten Schönhauser Straße lag nicht vor.“