Es ist 17 Uhr, die Stunde, von der an das Licht immer noch ein wenig schöner wird. Bis es sich zur Ruhe legt. Oben, am Jahn-Stadion vor der Graffitiwand, versucht ein Knirps auf dem Rasen Roller zu fahren und scheitert gelassen an der Beschaffenheit des Bodens. Das Gras wächst überall, säumt auch jede der flachen Treppenstufen, die zur Anhöhe führen, und färbt die Fronten grün. Ein atmendes Streifenmuster ist entstanden am sonst toten Material. Es liegt auch in der Luft, das Gras, sein Geruch, er strömt aus dem Boden und Selbstgedrehten.

Ringsherum würfelt sich die Stadt empor, man meint, mit ihr auf Augenhöhe zu sein hier auf dem Hügel, ist es natürlich nicht. Man ist es nie, höchstens räumlich. Mit ihrem Wissen kann keiner mithalten. Sie protzt nicht damit und auch jetzt hält sie sich klanglich im Hintergrund. Der Park kennt genügend Geschichten. Erzählt werden sie von herüberwehenden Gesprächen, klappernden Skateboards und von den Vögeln. Selbstvergessen singen sie gegen den Sound des Feierabendverkehrs an, der zwar vom Park auf Abstand gehalten wird, sich aber stets in Erinnerung bringt. Ein Mann und eine Frau stehen auf und müssen sich lachend noch mal setzen. Die Hanglage hat es in sich und das Bier in der Maisonne auch.

Auf der Suche nach einem Café sehe ich ein kleines Mädchen mit einem zerzausten Zopf. Es ist wütend, und ich denke, dass nur Kinder im Trotz ihre Kniekehlen derart durchdrücken können. Sie mag drei Jahre alt sein, und wie so oft jetzt, da es um die Pandemie so still geworden ist, frage ich mich – wie auch in Betrachtung anderer Menschen ­–, wie sie die letzten beiden Jahre erlebt hat. Diese Jahre haben einen Großteil ihres Lebens ausgemacht, während diese spezielle Zeit für mich eine Phase war und ist.

Hinter einem Zaun spielen Hunderte Kinder Basketball, Fußball oder rennen einfach herum. Und im März, im April 2021? Ich weiß, wie verwaiste Sportanlagen aussehen und doch bin ich sicher, es war eine andere Leere, eine andere Stille. Die sich bis in den Mauerpark erstreckte und in die umliegenden Straßen. Eine hungrige Stille. Die Gedanken an sie sind surreal und für einen Moment auch, Roller fahrenden, trotzenden und tobenden Kindern aus der Nähe zusehen zu können. Was alles wieder selbstverständlich ist – und lange nicht ging. Was hier im und um den Mauerpark stattfindet, ist Aufbruch und Ankommen zugleich. Das Begreifen ist noch unterwegs.