Auf ein Neues! Der Senat hat den Vertrag für Berlins Ampeln neu ausgeschrieben, und in Kürze ist klar, wer ihn bekommen soll. „Das Vergabeverfahren steht vor dem Abschluss“, sagte Martin Pallgen, Sprecher von Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD). Der Gewinner der europaweiten Ausschreibung bekommt die Aufgabe, sich von 2016 bis 2025 um den Betrieb und die Instandhaltung der Ampeln zu kümmern. Er soll auch neue Anlagen planen und bauen.

Heute ist die Alliander Stadtlicht, die dem niederländischen Energienetzbetreiber Alliander gehört, dafür zuständig. 2005 bekam sie einen Zehn-Jahres-Vertrag über 126 Millionen Euro – als Berlin als erste Stadt den Ampelbetrieb privatisierte, um zu sparen.

Die Leistungen im neuen Vertrag orientieren sich im Wesentlichen an dem alten, sagte Pallgen. Die Technik soll weiter modernisiert werden, hieß es. Das ist auch nötig. So leuchten nur 34 Prozent der Ampeln mit LED, die Kosten sparen, die anderen weiterhin mit Glühlampen. 59 Anlagen sind nicht mit der Zentrale in Tempelhof verbunden, können also nicht von dort gesteuert werden. Als so-genannte Dirigenten spulen sie einsam ihre Ampelprogramme ab.

Mit Berlins Ampelsystem, das weiter dem Land gehört, ist nicht jeder zufrieden. Und es gibt Fragen. Claudia Schiewe, bei der Verkehrslenkung Berlin für die Ampeln zuständig, beantwortet sie.

Wie viele Ampelanlagen hat Berlin?

2 091 – so die jüngste Senatszahl, die von Ende des vergangenen Jahres stammt. Davon sind 451 Fußgängerampeln (außerhalb von Kreuzungen und Einmündungen). Es gibt acht Verkehrsrechner und 600 Kilometer Steuerkabel.

Wie schnell müssen Fußgänger gehen, um sicher über die Straße zu kommen?

„In der Regel gehen wir bei unseren Berechnungen von 1,2 Meter pro Sekunde aus“, so Schiewe. Für Ampeln vor Seniorenheimen gilt: ein Meter pro Sekunde. Doch auch anderswo müssten sich die Planer darauf einstellen, dass die Gesellschaft altert, fordert der Fachverband Fußverkehr Deutschland. Die Grünphasen seien oft zu kurz. Woanders müsse schneller gelaufen werden, entgegnet Schiewe. Die Richtlinie erlaube es sogar, ein Gehtempo von bis zu 1,5 Metern pro Sekunde zugrunde zu legen.

Warum müssen Fußgänger in Berlin so oft auf Mittelstreifen warten?

Ziel ist es, dass die Fußgänger auch Straßen mit Mittelstreifen „in einem Rutsch“ queren können, sagt die Planerin. „Doch es gibt Ausnahmen, bei denen es nicht anders geht.“ Zum Beispiel, wenn die Ampel der Gegenrichtung Teil einer grünen Welle ist oder den BVG-Verkehr beschleunigen soll.

Warum gibt es in Berlin nicht mehr grüne Wellen für den Autoverkehr?

Ampelschaltungen werden mit denen der Nachbaranlagen abgestimmt, damit Grün-Strecken entstehen. Doch nicht auf jeder Magistrale sind überall lange grüne Wellen möglich. Wo ähnlich wichtige große Straßen queren, wo zudem Abbieger, Fußgänger- und Nahverkehr zu berücksichtigen sind, kann es zu Unterbrechungen kommen. Für grüne Wellen brauchen die Planer eigentlich einen gleichmäßigen Abstand querender Straßen und ein gleichmäßiges Tempo – doch wo gibt es das?

Warum werden nur rund 30 Prozent der Berliner Ampeln nachts abgeschaltet?

Vor 15 Jahren gab es im Senat Pläne, einige Hundert weitere Anlagen ebenfalls nachts erlöschen zu lassen. Nicht nur die Polizei war dagegen. Die Versicherungswirtschaft verwies auf Studien, wonach die Zahl der Unfälle und deren Schwere zunehmen würde. Autofahrer sparten nur wenig Zeit. Die Stromkosten sinken ebenfalls kaum. Schiewe: „Auch gelbes Blinken kostet Geld. Und das Steuergerät bleibt stets unter Spannung.“

Wie viele Ampeln können von Bussen oder Straßenbahnen beeinflusst werden, damit die BVG Vorrang erhält?

46 Prozent, sagt Schiewe. „Allerdings gibt es nicht an allen Ampeln Nahverkehr.“ Auch sei nicht immer eine Beschleunigung möglich – „zum Beispiel bei Konflikten mit dem Fußgängerverkehr“. Auf der Leipziger Straße wurden neue Programme zugunsten des Busverkehrs nicht eingeschaltet, weil sie nicht mit anderen Schaltungen harmonierten. In ganz Berlin geht der Ausbau solcher Vorrangschaltungen nur langsam voran, der Verkehrslenkung Berlin (VLB) fehlt Personal. So ist das Durchschnittstempo der Busse gesunken. Seit April finanziert die BVG der VLB eine zusätzliche Stelle.

Wie viel kostet eine Ampelanlage?

Das kommt darauf an, welche Arbeiten sonst noch nötig sind, ob es eine Mittelinsel gibt oder eine Straßenbahn. Eine Fußgängerampel ist für 34 000 Euro zu haben, eine Anlage für eine größere Kreuzung kann schon mal 270 000 Euro kosten. „Nach oben ist alles offen“, so Schiewe. Bei der VLB gehen oft Wünsche nach Ampeln ein, etwa von Elterninitiativen. Doch die Zahl der Anlagen steigt in Berlin kaum noch. Oft gebe es billigere Lösungen, sagt Claudia Schiewe – zum Beispiel Zebrastreifen.