Doppeldeckerbus der BVG.
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BerlinNach der coronabedingten Einschränkung des Fahrtenangebots prüfen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), in welchen Bereichen es wieder aufgestockt werden sollte. „Wir schauen, ob alle Berliner gut angeschlossen sind“, sagte Petra Nelken, die Sprecherin des Landesunternehmens, am Donnerstag. Dabei haben die BVG-Planer wichtige Einrichtungen wie Krankenhäuser, Polizeiabschnitte und die Betriebshöfe der Stadtreinigung im Blick. 

So könnte es möglich sein, dass zu Schichtwechselzeiten wieder mehr Busse fahren, hieß es. Mit diesen Überlegungen reagiert die BVG darauf, dass der Busverkehr am ersten Tag der Einschränkungen teilweise zu große Lücken aufwies. Fahrgäste beschwerten sich.

Berufstätige kamen zu spät zur Arbeit

Zu kleine Busse, zu viele Ausfälle und Fahrgäste, die Mühe hatten, pünktlich zur Arbeit zu kommen:  Am Mittwoch, als der Bus- und Straßenbahnverkehr verringert wurde, lief längst nicht alles so wie geplant. „Auf manchen Busbetriebshöfen ging es chaotisch zu“, sagte Jens Wieseke, Sprecher des Berliner Fahrgastverbands IGEB.

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Berichten zufolge kam der Verkehr nach Schichtwechseln nicht immer schnell genug wieder in Gang, weil die Fahrer erst über die Änderungen informiert werden mussten. Hinzu kam, dass der Busverkehr am Mittwoch zumindest auf einigen Busbetriebshöfen nach dem Sonnabend-Fahrplan organisiert wurde. Weil dieser Fahrplan für die Morgenstunden vielerorts einen späteren Betriebsbeginn als sonst und nur einen 20-Minuten-Takt vorsieht, kamen Berufstätige zu spät zur Arbeit. Im Internet ist davon die Rede, dass davon zum Beispiel Krankenhäuser betroffen waren. Zum Teil habe die BVG aber auch den Wochentagsfahrplan befolgt.

„Uns wurde berichtet, dass die Busse zum Teil sehr voll waren“, bestätigte Jens Wieseke. Ein Beispiel: „Wo sonst Gelenkbusse fuhren, erschien nur ein 12-Meter-Bus“ – keine gute Idee angesichts der Warnung von Virologen, den Kontakt zu anderen Menschen nach Möglichkeit zu meiden.

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Wie berichtet hatte die BVG angekündigt, den Fahrzeugeinsatz zu überprüfen und falls notwendig große Busse durch kleine zu ersetzen, um nicht „warme Luft durch Berlin fahren zu müssen“. Nach Informationen der Berliner Zeitung wird diese Sichtweise aber auch im Senat kritisch bewertet. Angesichts der Ausbreitung des Coronavirus wäre es notwendig, den Fahrgästen nicht weniger, sondern mehr Platz als sonst zur Verfügung zu stellen, um Überfüllung zu vermeiden, hieß es. Das sei auch für das Fahrpersonal die beste Lösung.

Fahrgäste berichten, dass nicht mehr kontrolliert wrd

„Wir haben bereits jetzt 40 bis 50 Prozent weniger Fahrgäste als sonst, aber unser Angebot in deutlich geringerem Maße verringert“, entgegnete BVG-Sprecherin Nelken. Die Zahl der eingesetzten Fahrzeuge, in der Planersprache Umläufe genannt, sei bisher um acht Prozent gesunken. Die U-Bahn ist dabei aber noch nicht eingerechnet, denn dort soll die Ausdünnung auf einen Zehn-Minuten-Takt erst am Montag in Kraft treten. Dem Vernehmen nach gab es nur am Mittwoch Busfahrten nach dem Sonnabend-Fahrplan, inzwischen fahren die Busse wie angekündigt alle zehn Minuten, hieß es.

„Wir achten darauf, Mensch und Material zu schonen. Denn es ist klar, dass wir noch eine Weile unter den jetzigen Bedingungen durchhalten müssen“, sagte Petra Nelken. Kundenbüros und Servicezentren der BVG seien geschlossen, das Fundbüro stünde nur in Notfällen nach telefonischer Vereinbarung unter der Berliner Telefonnummer 256 28343 offen. Fahrgäste berichten, dass derzeit offenbar keine Fahrscheinkontrollen stattfinden. Dazu äußerte sich die BVG-Sprecherin nicht. Der Fahrgastverband appellierte an die Berliner, Bahnen und Busse nur mit gültigem Ticket zu nutzen

Zahl der Krankmeldungen steigt

Generell entspräche der Krankenstand einer normalen Erkältungsperiode, so die BVG weiter. Bei der Straßenbahn hätten sich derzeit 13 Prozent des Personals krank gemeldet. Bei der U-Bahn betrage die Krankenquote im Bereich der Linien U1 bis U4 zwölf und bei den anderen Linien 19 Prozent. Im Busverkehr erreiche sie auf die gesamte Stadt gerechnet 20 Prozent – wobei im Westen Berlins ein höherer Krankenstand festzustellen ist als im Osten. Auch bei der S-Bahn Berlin nimmt die Zahl der Krankmeldungen zu, wie es dort hieß. Beim Fahrpersonal betrage die Quote mittlerweile rund 15 Prozent.

Wenn ab Montag auch bei der U-Bahn ein Zehn-Minuten-Takt eingeführt werden, werde die Leitstelle die Situation beobachten, sagte BVG-Sprecherin Petra Nelken. „Wenn es Bedarf gibt, können wir zusätzliche Züge als Verstärker einsetzen.“ 

Jens Wieseke vom Fahrgastverband IGEB bedankte sich bei den "hart arbeitenden Mitarbeitern" der BVG, S-Bahn, der Deutschen Bahn sowie den weiteren Regionalzugbetreibern. "Was sich aber dringend ändern muss, ist die Informationspolitik", sagte er.

Am Donnerstag hatte Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) im Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses Einschränkungen im Nahverkehr nicht ausgeschlossen.

Am Freitag wurde dann aber betont, der Busse und Bahnen erst einmal wie gewohnt weiterfahren würden. Am selben Tag war die BVG schon dabei, ihr Konzept für einen eingeschränkten Fahrplan zu konkretisieren. Am Dienstagmorgen lag nach einigen Abstimmungen die endgültige Fassung bei der BVG vor. Obwohl sie dem Senats bald darauf übermittelt wurde, gab die Verkehrsverwaltung erst kurz vor 15 Uhr die Pressemitteilung heraus.