Einstige DDR-Bürgerrechtler und Politiker haben am Donnerstag dafür plädiert, unverzüglich mit dem Bau des Freiheits- und Einheitsdenkmal auf der einstigen Schlossfreiheit in Mitte zu beginnen. Der Bund habe nun das letzte nötige Grundstück für den Bau gekauft habe, es gebe keine weiteren Gründe für die Verzögerung, sagte der letzte DDR-Ministerpräsident, Lothar de Maizière, am Donnerstag bei einer Pressekonferenz, zu der die Berliner CDU eingeladen hatte.

Tatsächlich war der Kaufvertrag zwischen Bund und Land notariell beglaubigt und abgeschlossen worden. Laut Berliner Immobiliengesellschaft hat der Bund der Hauptstadt gut 325.000 Euro dafür gezahlt. Ende Juni hatte der Haushaltsausschuss des Bundestages bei seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause das bereits eingestellte Geld für die „Einheitswippe“ vor dem Humboldt-Forum nicht freigegeben, weil der Kaufvertrag für das letzte Grundstück noch fehlte.

Auch Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse war da

Nun könne es endlich losgehen, sagte Sabine Bergmann-Pohl (CDU), letzte Präsidentin der DDR-Volkskammer. Sie erinnerte daran, dass ebenjene Volkskammer vor genau 28 Jahren in einer dramatischen Nachtsitzung den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik beschlossen habe. Die Volkskammer hatte seinerzeit ihren Sitz im längst abgerissenen Palast der Republik, an dessen Stelle derzeit das Humboldt Forum in der Kubatur des einstigen Stadtschlosses entsteht. „Das ist der passende Ort für ein solches Denkmal“, sagte Bergmann-Pohl.

Um es überparteilich wirken zu lassen, war auch Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) vor die Stadtschlosssilhouette gekommen. „Wir sollten in Berlin nicht nur der dunklen Seite unserer Geschichte gedenken, sondern auch den glücklicheren Momenten“, sagte Thierse. Das Einheitsdenkmal soll auf dem denkmalgeschützten Sockel des einstigen Denkmals für Kaiser Wilhelm I. entstehen und könne laut Thierse womöglich schon in zwei Jahren zum 30. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung fertiggestellt sein. Jener Zeitplan gilt aber als sehr ambitioniert.

Seit 20 Jahren gibt es Planungen für solch ein Denkmal. 2011 hatte sich in einem zweiten Wettbewerbsverfahren das Stuttgarter Büro Milla & Partner mit dem Entwurf „Bürger in Bewegung“ durchgesetzt. Zentrales Element des geplanten Einheitsdenkmals ist seither eine begehbare Schale, die sich durch Bewegung der Bürger langsam neigen soll. Auf der Schalenoberfläche sollen sich die beiden zentralen Rufe der Wendezeit „Wir sind das Volk. Wir sind ein Volk.“ befinden. Manche Architekturkritiker halten den Entwurf indes für „ikonografisch verunglückt“. Demokratie sei mehr als die Bewegung von Menschenmasse im Raum, argumentieren sie.

Die Baukosten für das Denkmal sind inzwischen auf gut 17 Millionen Euro gestiegen. Ein wenig hinderlich ist, dass die derzeitige Baugenehmigung im Oktober ausläuft. Das Bundesbauamt habe fristgerecht einen Antrag auf Verlängerung der Baugenehmigung eingereicht, bestätigte Katrin Dietl, Sprecherin von Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke). „Die Widerspruchsbehörde, die bei unser Senatsverwaltung angegliedert ist, prüft und entscheidet nun.“

Die Landesdenkmalschutzbehörde, die zum Bereich von Kultursenator Klaus Lederer (Linke) gehört, hat offenbar noch Bedenken. Vor allem geht es dabei um eine mögliche Wiederverwendung der historischen Mosaike, die den Sockel des Kaiserdenkmals zierten und die preußischen Länder zeigt.

Ex-Bürgerrechtler und CDU-Politiker Günter Nooke – gemeinsam mit Lothar de Maizière einst Initiator des Denkmals – betonte, dass es ja bereits einen gültigen Bundestagsbeschluss gebe. Obendrein hätte Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) die Zustimmung der Denkmalbehörde zum Bau des Einheitsdenkmals schon vor längerer Zeit erhalten.