Dass sich ein frustrierter 20-Jähriger an Politikern rächt, indem er ihre persönlichen Accounts hackt, ist eine zu erwartende Story unserer heutigen Zeit. Als dieser junge Mann in die Schule kam, entstand Youtube. Als er acht Jahre alt war, begann Wikileaks belastendes Material über die US-Regierung zu veröffentlichen. Für Menschen meines Alters war Wikileaks eine Revolution. Für heute 20-Jährige ist es eine gängige Form des Aktivismus.

In den meisten Krimis gibt es heute eine Hacker-Episode. In der Jugendliteratur tauchen Helden auf, die sich in technisch überalterte Regierungssysteme hacken. Dies wird mit Intelligenz und Cleverness gleichgesetzt und nicht mit einer kriminellen Handlung. Eine klare Unterscheidung zwischen Enthüllungen und Cyberattacken sollte natürlich gemacht werden. Ein solcher Unterschied ist allerdings für einen unreifen jungen Erwachsenen, der nicht über die Konsequenzen seines Handelns nachdenkt, nicht immer leicht zu erkennen.

Heute landet alles im Netz

Das wird verständlich, wenn man sich anschaut, wie normal es mittlerweile geworden ist, persönliche Informationen in sozialen Medien zu verbreiten. Es gab eine Zeit, in der Menschen ausgelacht wurden, wenn sie Fotos ihrer Mahlzeiten ins Netz stellten. Heutzutage werden jedoch intimste Erlebnisse und Details mit Millionen von Usern und Anhängern geteilt: Ergebnisse von Schwangerschaftstests, Videoblogs des Familienlebens, Lebenspartner und Kinder, wie sie morgens aufwachen, Familienfehden und sogar Geburten. Kein Detail scheint zu intim zu sein. Es liegt in der Natur unseres universell zugänglichen Alltages, dass alle diese Dinge veröffentlicht werden.

Cyber-Bullying wird an Schulen thematisiert, ist aber schwer zu verhindern. In einer Zeit, in der eine Vielzahl von Teenagern zwischen 12 und 18 Jahren nach Medien regelrecht süchtig sind, ist es nicht schwer zu verstehen, dass ein 20-Jähriger seine Hackerfähigkeiten bedenkenlos einsetzt um jemandem etwas heimzuzahlen.

Bildschirmsucht sollte an Schulen zum Thema werden

Während einige den Traum, als Blogger reich zu werden, träumen, sind viele andere mit den negativen Seiten der Abhängigkeit konfrontiert: Verlust von Konzentrationsfähigkeit, Lethargie, Interessenverlust, Depression und Stimmungsschwankungen bis hin zu aggressiven Auseinandersetzungen. Ich begegne nur wenigen Eltern, die nicht frustriert sind von der Macht, die Smartphones auf ihre Kinder ausüben. Während einige Kinder sich auf andere Interessen fokussieren können, ist es für viele verständlicherweise schwer, dem mächtigen Bildschirmzwang zu widerstehen.

Für uns, die Elterngeneration, ist noch unklar, welche Langzeitkonsequenzen dieser Generation mit immensen technologischen Fähigkeiten und erhöhter sozialer Vereinsamung drohen. Schulen müssen sich mit dem Thema Bildschirmsucht proaktiv auseinandersetzen und mutig genug sein, auch unpopuläre Entscheidungen zu treffen: so wie in Frankreich, wo Handys vom Schulhof verbannt wurden. Doch Verbote allein nützen nichts. Wir brauchen eine neue Internetpädagogik, die sich auch mit Themen wie Selbstkontrolle und Internetethik auseinandersetzt. Eltern, Lehrer und Regierungen müssen lernen, wie diese junge Generation zu denken und dennoch dafür sorgen, dass die guten alten Werte des sozialen Zusammenlebens nicht auf der Strecke bleiben.