Die von Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) angeordnete „Hitzefrei“-Regelung für Beschäftigte ihrer Senatsverwaltung hat heftige Kritik ausgelöst. Die Mitarbeiter können angesichts extremer Temperaturen seit Dienstag drei Tage lang jeweils um 14 Uhr nach Hause gehen, ohne die versäumte Arbeitszeit nachzuholen. CDU und FDP, aber auch der Bund der Steuerzahler finden das befremdlich – Lompscher hingegen angemessen.

„Auch wenn Mitarbeitern in Behörden verständlicherweise hitzefrei gewährt wird, die Arbeit darf deshalb natürlich nicht liegen bleiben“, mahnte der Sprecher für Bauen und Wohnen der CDU-Fraktion, Christian Gräff. Dass nun ausgerechnet Lompscher auf die Pflicht zur Nacharbeit verzichte, sei angesichts der Probleme beim Wohnungsbau nicht nachvollziehbar.

Kritik aus verschiedenen Lagern

Die FDP-Fraktion kritisierte Lompscher ebenfalls. „Was sich die Senatorin hier erlaubt, ist schon ungewöhnlich“, sagte die finanzpolitische Sprecherin Sibylle Meister. „Der Wohnungsbau kommt nicht voran, Baugenehmigungen stehen aus, die neuen Regeln für Ferienwohnungen bereiten viele Probleme. Und Frau Lompscher gibt ihren Mitarbeitern sommerfrei. Das ist unglaublich.“

Kritik kommt auch vom Bund der Steuerzahler Berlin. „Klar ist, kein Mensch kann bei 35 Grad produktiv arbeiten“, sagte Vorstandschef Alexander Kraus. „Aber die Arbeit muss natürlich erledigt werden.“ Das gelte gerade für einen Bereich, in dem oft von fehlenden Kapazitäten die Rede sei, wenn Dinge sich verzögerten.

Vergleich zu anderen Branchen

Nach Einschätzung von Kraus könnte etwa die Arbeitszeit in die früheren Morgenstunden verlegt werden. Wo das möglich sei, spreche auch nichts gegen eine Verkürzung an einzelnen Tagen, wenn die Arbeitszeit an einem anderen Tag nachgeholt werde. „Das ganz freizugeben, finde ich schwierig, in anderen Branchen haben die Mitarbeiter diese Möglichkeit auch nicht.“

Eine Sprecherin Lompschers verteidigte die Regelung als angemessen. Die Senatorin habe eine Fürsorgepflicht, wolle ihre Mitarbeiter vor Schäden durch die extrem hohen Temperaturen in den Büros schützen. Dort herrschten aktuell schon am Morgen oft 30 Grad. Später sei es dort teils unerträglich heiß, weil Klimaanlage, Lüftung oder funktionierende Jalousien in dem Gebäude fehlten, das saniert werden soll.

Keine einheitliche Lösung

Die Kernarbeitszeit im Haus, in dem die Beschäftigten wie in anderen Verwaltungen in Gleitzeit arbeiteten, ende ohnehin um 15 Uhr, es gehe also letztlich um eine Stunde. „Dadurch kommt der Wohnungsbau nicht zum Erliegen“, so Sprecherin Petra Rohland. Nicht jeder Mitarbeiter verlasse das Büro um 14 Uhr, zudem fingen etliche früher an als sonst üblich.

Bereits in der Vorwoche hatten einige Senatsverwaltungen ihren Beschäftigten die Möglichkeit eingeräumt, wegen der Rekordhitze früher nach Hause zu gehen – mit oder ohne Berücksichtigung im Arbeitszeitkonto. Auch in dieser Woche haben sich einige Senatoren vorbehalten, so zu verfahren. Allerdings verlangt Lompscher inzwischen als einzige keine Nacharbeit. Eine einheitliche Lösung für die Berliner Verwaltung gibt es nicht.

Regeln und Pflichten

Laut Arbeitsstättenverordnung müssen Arbeitsräume „eine gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur“ aufweisen, und es muss eine „ausreichend gesundheitlich zuträgliche Atemluft“ vorhanden sein. Werte ab 26 Grad in Räumen können in Einzelfällen bereits zu Gesundheitsgefahren führen.

Ab 30 Grad sind lageverbessernde Maßnahmen vorgeschrieben, etwa mehr Sonnenschutz, bessere Lüftung, Getränkeversorgung oder eine Verlagerung der Arbeitszeit. Ab 35 Grad gilt ein Raum als ungeeignet für Arbeit. (dpa)