Berlin - Nach der angekündigten Entlassung des Stadtsoziologen Andrej Holm durch die Humboldt-Universität (HU) hält der Protest von Studenten an.

Die Landesastenkonferenz forderte Regierungschef und Wissenschaftssenator Michael Müller (SPD) am Donnerstag auf, den „rechtlich nicht haltbaren Rauswurf“ zu stoppen. Der studentische Zusammenschluss kritisiert die geplante Entlassung als politisch motiviert. Müller müsse die „selbst angefachte Hexenjagd auf Holm“ beenden, wenn er als Wissenschaftssenator glaubwürdig bleiben wolle.

Von der Universitätsleitung hatten die Demonstranten gefordert, zumindest eine neue unbefristete Stelle am Lehrbereich "Stadt- und Regionalsoziolgie" zu schaffen, sollte eine Rücknahme der Entassung Holms nicht möglich sein.

Blockade auf unbestimmte Zeit verlängert

Unterdessen bleibt das HU-Institut für Sozialwissenschaften (ISW) weiter von Studenten besetzt. Die Blockade sei auf unbestimmte Zeit verlängert worden, teilte die Studierenden am Donnerstagmittag auf ihrem Twitter-Account @holmbleibt mit.

Zunächst hatten die Studierenden das Institut für Sozialwissenschaften nur bis einschließlich Freitag besetzen wollen.

Nach Angaben der Studierendeninitiative „Uni von unten“ besteht der harte Kern der Besetzer aus 50 Menschen. Da auch Interessierte hinzukämen, hielten sich bis zu 100 Leute am Institut auf. Es gebe nun ein eigenes Seminar- und Diskussionsprogramm, weil die Uni ein „kritisches Studium“ zunehmend erschwere. „Ein Gespräch mit dem Präsidium der Uni streben wir bisher nicht an“, teilte ein Mitglied der Initiative auf Anfrage mit.

Humboldt-Uni hält an Holms Entlassung fest

Trotz der Studentenproteste bleibt die Humboldt-Universität bei ihrem Entschluss, den Stadtsoziologen Holm zu entlassen. „Die Entscheidung der Präsidentin steht. Wir erwarten nun die Stellungnahme des Personalrates“, teilte ein HU-Sprecher am Donnerstag mit. Holms Stelle werde mit der ordentlichen Kündigung nicht wegfallen, sie sei auch vertretungsweise besetzt, erklärte der HU-Sprecher. Die Besetzung respektiere die HU als eine Form des Protests. Lehrveranstaltungen in betroffenen Räumen seien verlegt worden.

Holm, der wissenschaftlicher Mitarbeiter der HU war, hatte 2005 in einem Personalfragebogen verneint, hauptamtlicher Mitarbeiter der Stasi gewesen zu sein. Die Uni sieht sich arglistig getäuscht. Holm will gegen seine Entlassung klagen. Er war als Folge der Stasi-Affäre am Montag bereits als Bau-Staatssekretär zurückgetreten. (dpa/BLZ)