Nach seiner Meinungsäußerung zu AfD-Wählern hat der Intendant des Friedrichstadt-Palastes, Berndt Schmidt, viele Hass-Mails bekommen. Im Gespräch mit der Berliner Zeitung sagte er am Donnerstag, dass Anhänger der Partei nun „E-Mails als Bestrafungsinstrument“ gegen ihn einsetzen würden. Er werde als „West-Arschloch“ und „Nazi“ beschimpft. Schmidt hatte am Mittwoch erklärt, dass er AfD-Wähler nicht als Gäste im Theater haben wolle. Trotz der darauf folgenden Anfeindungen bekräftigte er am Donnerstag, dass sich AfD-Wähler „nicht willkommen fühlen sollten“, falls sie doch sein Theater betreten.

Eine bereits am Friedrichstadt-Palast aufgestellte Fahne mit der Aufschrift „Respect each other“ soll vor dem Besuch noch einmal zum Nachdenken anregen, so Schmidt. Wer sich mit rechtspopulistischen Parolen identifiziere und bei der Bundestagswahl die AfD unterstützt habe, könne gern am Eingang kehrtmachen. „Diese Aufforderung kann uns wirtschaftlich schaden, aber ich verfolge damit auch keine Strategie, um Einnahmen zu generieren“, sagte Schmidt. Es gehe ihm darum, als Chef einer „bedeutenden Kulturinstitution im Osten“ auf den Wahlerfolg der AfD insbesondere in den neuen Bundesländern zu reagieren.

Rassistische Sprüche geklopft

Schmidts Entscheidung, die AfD zunächst in einer E-Mail an sein Ensemble, dann aber auch öffentlich zu kritisieren, sei nicht spontan aus dem Bauch heraus gefallen. „Ich bemerke seit längerer Zeit, dass sich der Ton in Deutschland verändert“, so Schmidt. Eine Mitarbeiterin habe ihm zum Beispiel von einer Freundin erzählt, die einen Kosmetiksalon betreibe. Deren Kunden würden inzwischen ohne Hemmungen populistische und rassistische Sprüche klopfen. Auch die Nutzerkommentare auf der Internetseite des Theaters und in den sozialen Netzwerken hätten sich, so Schmidt, im Ton verändert. Auf Engagement für Toleranz würde mit Hass-Kommentaren und Drohungen reagiert.

Klarstellen will der Intendant, dass es ihm nicht um eine persönliche Abwertung aller Wähler und Politiker der AfD gehe. Erst recht habe er keine Generalkritik an der ostdeutschen Bevölkerung im Sinn gehabt, obwohl ihm ins Auge steche, dass die AfD im Osten besonders stark sei. „Mir fällt auf, dass einige AfD-Politiker versuchen, das NS-Vokabular wieder salonfähig zu machen“, sagte Schmidt. Es sei an der Zeit, dass sich „die guten vier Fünftel des Ostens“ dagegen stellen.

„Absolut in Ordnung“

Empört reagierte die AfD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus auf Schmidts Aussagen. „Der Intendant offenbart ein höchst gefährliches Demokratieverständnis“, teilte der AfD-Fraktionsvorsitzende Georg Pazderski mit. Ein Theaterleiter könne Bürger nicht für ihre freie Wahlentscheidung mit Hausverboten bestrafen. Vor allem nicht, wenn sein Haus steuerlich gefördert sei.

Berlins Kultursenator Klaus Lederer (Linke) stärkte Schmidt dagegen den Rücken. „Der Intendant hat eindeutig Stellung gegen den zunehmenden Rechtspopulismus bezogen, das finde ich absolut in Ordnung“, so Lederer. Er wolle als Senator nicht kommentieren, „welchen Weg ein Intendant dabei geht“.