Das Immobilienunternehmen CA Immo aus Frankfurt am Main verhandelt derzeit mit zwei bekannten Berliner Marktbetreibern über eine Fortführung des beliebten Flohmarktes am Mauerpark.

Wie berichtet, hat das Unternehmen den bisherigen Betreibern überraschend nach zehn Jahren gekündigt – fristgerecht, aber ohne konkrete Gründe für die Kündigung zu nennen. Ende September läuft der Vertrag nun aus. Die Betreiber sind empört, schließlich haben sie den Markt im Laufe der vergangenen Jahre zu dem gemacht, was er heute ist: Ein beliebter Tummelplatz auf 7 000 Quadratmetern, mit etwa 400 Ständen, an denen sonntags bei gutem Wetter bis zu 40 000 Besucher entlangspazieren, darunter etliche Touristen.

„Tatsache ist, dass das Vorgehen der CA Immo in den letzten Monaten dem Muster einer klassischen Entmietung entsprach“, sagt Lars Herting, einer der drei Marktbetreiber. Alle Möglichkeiten, die vielen Vorwürfe und von Anwälten begleiteten Konflikte zwischen Eigentümer und Betreiber einvernehmlich zu lösen, sind gescheitert. Selbst eine Online-Petition mit mehr als 12 000 Unterschriften zum Erhalt des Flohmarktes in seiner bisherigen Form brachte keinen Erfolg. Herting und seine beiden Partner haben keine Chance, den Markt weiterzuführen.

Von den Pflichten entbunden

Zwar durften sie sich noch mit elf weiteren Interessenten bis Ende Juli um die Flohmarktfläche bewerben, doch schon im nächsten Schritt des Auswahlverfahren waren sie nicht mehr dabei. Die Gekündigten sehen die Schuld vor allem bei einer Sachbearbeiterin der CA Immo, die rassistische und beleidigende Kommentare auf der Facebook-Seite der Flohmarkt-Betreiber angeblich mit dem „Gefällt mir“-Button unterstützt haben soll.

Als die Vorwürfe bekannt wurden, entband die CA Immo diese Mitarbeiterin „bis zur vollständigen Klärung des Sachverhalts vorerst von ihren Pflichten“, heißt es in einer Erklärung der CA Immo. Das Unternehmen betont, es distanziere sich ausdrücklich von beleidigenden und diskriminierenden Äußerungen.

Jetzt hat ein Gremium, dem unter anderem Vertreter der CA Immo, der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung sowie der Grün Berlin GmbH angehören, zwei Berliner Marktbetreiber in die engere Wahl genommen. Einer von ihnen soll den Flohmarkt ab Oktober mit einem neuen Konzept weiterführen.

Nach Informationen der Berliner Zeitung handelt es sich bei den beiden Bewerbern um die Berliner Marktbetreiber Rainer Perske und Nikolaus Fink. Perske führt in Berlin mehrere Wochenmärkte, dazu gehört der bekannte türkische Wochenmarkt am Maybachufer in Neukölln und der Markt auf dem Arkonaplatz in Mitte. Seit vier Jahren betreibt Perske zudem jeden Sonnabend den speziellen Wochenmarkt „Neuköllner Stoff“, ebenfalls am Maybachufer. Besucher können dort neben Lebensmitteln auch Stoffe kaufen, Designwaren und Kunsthandwerk.

Weitere Sondierungsgespräche

Speziell ausgerichtet ist auch der Makers Market von Nikolaus Fink, dem zweiten Bewerber für den Flohmarkt am Mauerpark. Fink hat den Makers Market vor einem Jahr an der Freien Internationalen Tankstelle (FIT) in der Schwedter Straße in Prenzlauer Berg gegründet. Jeden Sonntag verkaufen dort Künstler ihre selbst gefertigten Waren und Werke. Trödel und Ramsch haben keinen Platz, der Makers Market ist ein Kreativmarkt. Fink führt auch den Wochenmarkt am Südstern in Kreuzberg.

Über ihre Konzepte für den Mauerpark dürfen die Bewerber noch nicht reden, derzeit laufen weitere Sondierungsgespräche mit der CA Immo. Ende August soll dann feststehen, wer den Flohmarkt am Mauerpark weiterführen werde, sagt CA Immo-Sprecher Markus Diekow. Er hoffe auf einen „nahtlosen Übergang“, von dem die Besucher gar nichts mitbekommen würden. Denn die Händler, viele von ihnen verdienen mit dem Verkauf ihren Lebensunterhalt, haben sich bisher aus dem Zoff um die Kündigung des bisherigen Betreibers herausgehalten. Sie wollen ihren Stand schließlich auch unter der Führung eines neuen Betreibers behalten.