Berlin - Eine Massenschlägerei zwischen rund 50 Jugendlichen und jungen Erwachsenen am Donnerstagabend sorgt weiter für Aufsehen. Inzwischen gilt als gesichert, dass der Gewaltausbruch im Internet zwischen zwei verfeindeten YouTubern ganz gezielt geplant wurde. Die Gewerkschaft der Polizei warnt jetzt davor, dass es "scheinbar Mode wird, ganz bewusst Pulverfässer aufzumachen, um mehr Follower, Abonnenten und Klicks zu generieren".

YouTube: Geeignete Plattform für Gewaltbereite

Am Donnerstag hatten sich rund 400 Personen, fast ausnahmlos Heranwachsende und junge Männer mit Migrationshintergrund, auf dem Alexanderplatz getroffen, nachdem zwei YouTuber sich zuvor im Internet gestritten haben. Beide hatten ihre Follower (Bezeichnung für Menschen, die einem Kanal oder einer Person auf YouTube gezielt und automatisiert folgen) daraufhin via Internet aufgefordert, um 17 Uhr zum Alex zu kommen.

Hier eskalierte die Lage dann völlig, zeitweise schlugen bis zu 50 Menschen aufeinander ein. Die Polizei war bis 21.30 Uhr mit rund 100 Beamten im Einsatz. Insgesamt wurden 13 Ermittlungsverfahren eingeleitet, zwei Beamte wurden verletzt.

Polizeinsätze wegen Rappern wie Capital Bra

"Wir sehen in der Rapperszene und zunehmend auch bei anderen Influencern, dass sie teilweise sehr fahrlässig mit ihrem Einfluss umgehen", sagte am Freitag Norbert Cioma, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Es werde "scheinbar Mode, ganz bewusst Pulverfässer aufzumachen, um mehr Follower, Abonnenten und Klicks zu generieren". Dabei gebe es "Sinnvolleres, als seinen Bekanntheitsgrad dafür zu nutzen, jungen Gewaltbereiten eine geeignete Plattform in der Öffentlichkeit zu bieten und mit voller Absicht das Risiko einzugehen, dass die Lage eskaliert“.

Tatsächlich ist es nicht das erste Mal, dass in sozialen Medien zu Treffen aufgerufen wird, die dann völlig aus dem Ruder laufen. Auch Rapper wie Capital Bra oder Ufo361 lösten mit ähnlichen Aktionen in der Vergangenheit Polizeieinsätze in Berlin aus.

Gefährlicher Trend

Offenbar folgen damit auch Berliner YouTuber einem weltweiten Trend, bei dem Moral keine Rolle mehr zu spielen scheint. So sorgte vor rund einem Jahr ein Video eines Internetstars für Aufsehen, der vor laufender Kamera ein Suizidopfer entdeckt und sich darüber lustig gemacht hatte. Der Mann war dafür eigens in einen Wald im japanischen Aokigahara gereist, der als Ort vieler Selbstmorde bekannt ist. Ein Hamburger YouTuber mit rund 2 Millionen Fans tat so, als habe er eine Bombe. Und ein weiterer "Star" aus Schweden, der mit 59 Millionen Fans zu den TopTen der Social-Media-Bekanntheiten zählt, zahlte zwei Männern Geld dafür, damit diese ein Schild mit der Aufschrift "Tod allen Juden" in die Kamera hielten. In allen drei Fällen versuchten die YouTuber danach, ihre klickbringenden Aktionen als misslungenes soziales Experiment oder aus derben Spaß zu entschuldigen.

Polizei prüft Ermittlungen gegen YouTube-Stars

Auch im aktuellen Berliner Fall zeigen sich die beiden Verursacher der Massenschlägerei nun zerknirscht. Einer der beiden schrieb noch am Donnerstagabend, ihm gehe es "schlecht", er brauche eine Pause. Und sein Kontrahent ließ seine Fans wissen, "das mit der Polizei" tue ihm leid. Er habe   erfolglos versucht, das Problem "mit reden zu klären".

Beide müssen nun möglicherweise mit ihren Anwälten reden: Denn die Polizei schließt nicht aus, dass gegen die jungen YouTuber ermittelt wird. Ebenso könne es sein, dass "sie für die Kosten des Einsatzes am Donnerstagabend belangt werden".

#allarticle