Nach Messerstecherei in Neukölln: Fall Jusef El-A.: Vater will keine Rache

Berlin - Es wird voll werden am Freitagnachmittag auf dem islamischen Friedhof neben der Sehitlik-Moschee am Columbiadamm in Neukölln. Dann wird dort Jusef El-A. beerdigt, jener Junge, der am vergangenen Sonntag bei einer Messerstecherei zu Tode kam. Im Internet haben mehrere hundert Menschen ihre Teilnahme angekündigt, die Polizei rechnet mit mehreren tausend Trauergästen, es kann zu Straßensperrungen kommen. Zuvor soll um 15 Uhr das Totengebet in der nahe gelegenen Dar-Assalam-Moschee in der Flughafenstraße gesprochen werden. Sozialarbeiter begleiten die Trauernden.

Die Trauer um den jungen Mann ist groß. Seit Tagen legen Menschen Blumen ab, an jener Stelle in der High-Deck-Siedlung, an der es in einer Auseinandersetzung zwischen zwei deutschen Männern und etwa 20 arabischstämmigen Halbwüchsigen zu dem tödlichen Messerstich gekommen ist. Im Internet sind Videos zu sehen, in denen Freunde Jusef ein Denkmal setzen. In Foren gibt es eine Schlammschlacht mit ausländer- oder deutschenfeindlichem Tenor. Mit Unverständnis reagieren viele darauf, dass der 34-Jährige, der den tödlichen Stich geführt hat, freigekommen ist, weil die Polizei von Notwehr ausgeht.

Die Stimmung in der Weißen Siedlung an der Sonnenallee, in dem der Tote gewohnt hat, ist angespannt. Die Polizei ist dort verstärkt unterwegs. Präventionsbeamte besuchen alle Initiativen, die dort tätig sind. Derartigen Besuch bekam am Mittwochabend auch der Jugendclub Sunshine Inn, in dem sich Sozialarbeiter um die Jugendlichen des Viertels bemühen. „Wir wollen ein Signal geben: Sprecht mit uns, wenn ihr Probleme habt“, sagt Polizeisprecher Michael Merkle.

Der Jugendbeirat des Viertels hat eine Stellungnahme verfasst: „Wir trauern um unseren Bruder und Freund Jusef und sind tief bestürzt über das, was passiert ist. Jusefs Vater hat zu uns wie zu seinen eigenen Kindern gesprochen. Sein einziger Wunsch ist, dass die Gewalt aufhört und niemand etwas Unüberlegtes tut. Es darf nicht noch jemand zu Schaden kommen. Den Wunsch von Jusefs Vater sollte sich jeder zu Herzen nehmen.“