Die erste Fahrt mit den Öffis seit Mai vergangenen Jahres steht an. Homeoffice, das Fahrrad und Carsharing haben es mir ermöglicht, knapp zehn Monate ohne Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs zu überbrücken – und das in einer  Stadt wie Berlin. Nun gut, es gab noch ein weiteres Kriterium, das Busse, S- und U-Bahnen sowie Trams überflüssig machte: der eklatante Mangel an Möglichkeiten und Notwendigkeiten. Keine Einkaufsbummel, keine Konzerte, keine Fußballspiele.

Zum Arzt muss man trotzdem ab und zu, und obwohl die Praxis in einem fahrradfreundlichen Radius liegt, fällt die Wahl letztlich doch auf die Tram. Vom Himmel drohen Tropfen zu fallen, und nass im Wartezimmer zu sitzen, klingt nicht verlockend. Ein Carsharing-Auto wäre zwar eine Alternative, aber eine Parkplatzsuche unter Termindruck ist eben auch immer mit Stress verbunden.

Gut gefüllter Berufsverkehr - für Pandemiezeiten

Also, ein paar Münzen zusammengekramt, die FFP2-Maske aufgesetzt und los zur Haltestelle. Der Morgen ist bereits vorbei, da wird die Tram ohnehin nicht so voll sein. Ist sie dann aber doch, also zumindest relativ. Nicht voll im Vergleich zu einer Fahrt in einem von einer Pandemie unbehelligten Berufsverkehr, aber eben schon recht gut gefüllt während einer grassierenden Pandemie. Irgendwo dazwischen, verstehen Sie?

Am Ticketautomaten fällt auf, dass die BVG die Preise erhöht hat, drei Euro sind es jetzt für das normale Ticket. Zum Glück ist noch ein weiteres 20-Cent-Stück in der Hosentasche, sonst wäre aus der ersten Fahrt nach Monaten sogleich eine Graufahrt geworden, wie ungewolltes Schwarzfahren inoffiziell heißt. In den Trams kann man Tickets immer noch nur mit Münzgeld kaufen. Irgendwie nostalgisch.

Eine Mitfahrerin setzt sich die Maske erst nach dem Einsteigen auf, ein Mann setzt seine schon vor Erreichen der nächsten Haltestelle ab. Sonst läuft alles konform. Vor der Haustür der Praxis sind zahlreiche Parkplätze frei, aber das ist ja nun auch egal. Im Wartezimmer wird gelüftet, und alle sitzen maskiert in ausreichendem Abstand zueinander. Nur die Sprechstundenhilfe rennt mit ihrem Mundschutz auf Kinnhöhe durch die Gegend.

Wer in diesen Zeiten ein nachhaltiges Praxismanagement erwartet, wird enttäuscht. Die Terminvergabe entpuppt sich als Schätzwert. Manches ist auch in diesen Zeiten, als wäre alles ganz normal.