Neue Apps für eine geordnete Tagesplanung und ein effektives Zeitmanagement wären verständlich gewesen, sowas liegt im Trend dieser online-geprägten Zeit. Doch Milena Glimbovski und Jan Lenarz denken offline, in Papier und Leinen. Und sie sind so erfolgreich, dass jedes Start-up neidisch wird.

Die beiden Berliner haben Ende Oktober im Internet eine Spendenaktion gestartet, um für einen ungewöhnlichen Jahreskalender Geld zu sammeln. Der Kalender ist ein gewöhnlicher Terminplaner, bietet seinen Besitzern aber auch die Möglichkeit zur Reflexion über eigene Wünsche, Träume und Ziele. Neben Terminen für Meetings, Zahnarzt und Verabredungen können die Besitzer jeden Tag ihr Level für Stress, Schlaf und Sozialkontakte bewerten. Damit wir alle glücklich sind und nicht im Burn-out enden. „Wir wollen immer zu viel, das ist ein typisches Berlin-Problem“, sagt Milena Glimbovski. „Ziele und Träume bleiben dabei auf der Strecke.“

Praxistext mit Freunden

Im Sommer testeten die Erfinder ihr Projekt bei Freunden. „Alle fanden die Idee toll und wollten so einen Kalender haben“, sagt Milena Glimbovski. „Ein guter Plan“ nennen sie ihr Projekt. „Es ist kein Wohlfühlbuch. Es ist eine Bauanleitung für ein radikal-achtsames Leben“, sagt sie. „Erst einmal solltest du dir selber danken“, steht auf den ersten Seiten in der Anleitung. „Dafür, dass du dich jetzt mit deinem Leben beschäftigst. Es ist nicht selbstverständlich, sich dafür Zeit zu nehmen.“

Für ihre Sammelaktion im Internet gaben die Erfinder 15.000 Euro als Ziel an. Etwa so viel kostet ein hochwertiger Druck in einer Kreuzberger Druckerei. Nach zwei Tagen hatten Glimbovski und Lenarz das Geld zusammen. Wer 25 Euro überweist, bekommt den Kalender zum Vorzugspreis, regulär kostet er knapp 40 Euro. Das Spendenziel war erreicht. Doch die Zahl der Unterstützer stieg weiter von Tag zu Tag. Bis Donnerstag wurden 35.000 Euro gespendet, am Freitagnachmittag waren es bereits 40.500 Euro, es gibt mehr als 1200 Unterstützer, manche bestellen gleich mehrere Exemplare. Die Aktion läuft noch bis zum 7. Dezember. „Wir können unseren Erfolg gar nicht fassen“, sagt Milena Glimbovski.

Erfolg mit Unverpackt-Laden

Genau diesen Satz hat die 25-jährige Mediengestalterin, die auch Wirtschaftskommunikation studiert hat, im vergangenen Jahr schon mal gesagt. Damals hatte sie mit ihrer Freundin Sara Wolf Geld für einen Supermarkt gesammelt, der komplett ohne Verpackung auskommt. Nur einen Tag hatte es gedauert, bis Unterstützer das nötige Startkapital von 20?000 Euro gespendet hatten. Schnell wuchs die Summe auf über 60.000 Euro. Heute führen die Frauen den Laden „Original unverpackt“ in der Wiener Straße, der im September 2014 eröffnete. Milena Glimbovski sagt, der Laden habe sie bekannter gemacht. Sie ist gut vernetzt. Jan Lenarz ist Gründer von Vehement, einer nachhaltigen Extremsportmarke.

Mittlerweile gibt es über 1400 Bestellungen für den Kalender. Darin werden auch Psychologen, Osteopathen, Unternehmer und Yoga-Lehrer Texte schreiben, etwa über Meditation, Stressvermeidung und eine Handy-Abschalt-App. „Wir wollen Anleitungen abseits vom spirituellen Wischi-Waschi. Für Menschen, die noch etwas vorhaben“, sagt Milena Glimbovski.

Das Projekt im Internet: www.startnext.com/einguterplan