Berlin - Nach dem Wutanfall von Arafat Abou-Chaker am Rande eines Polizeieinsatzes, der nichts dem Clan oder seiner Familie zu tun hatte, wird in den sozialen Medien diskutiert: Hatte das Familien-Oberhaupt recht, sich derart aufzuregen? Oder hätten die Einsatzkräfte härter durchgreifen sollen, um den Mann zu beruhigen? Fakt ist: Offiziell betrachtet die Polizei den Vorgang als erledigt an. "Von unserer Seite aus wurde keine Anzeige erstattet", sagte eine Sprecherin der Berliner Zeitung. 

Vergangene Woche rückte die Brandenburger Polizei auf einem Grundstück in Kleinmachnow in Brandenburg an, das dem Berliner Rapper Bushido gehört. Der Grund: Anna-Maria Ferchichi, die Frau des Musikers ließ nach einem mutmaßlichen Hausfriedensbruch vor einigen Wochen die Schlösser an dem Haus auswechseln  und bekam dafür Polizeischutz.

Berliner Polizei als Unterstützung angefordert

Um jedoch zu dem Haus zu gelangen, mussten die Einsatzkräfte auch über das Grundstück von dem mit Bushido verfeindeten Arafat Abou-Chaker laufen - für die Brandenburger Polizei ein eher unbekanntes Terrain. Aus diesem Grund habe man Clan-erfahrene Kollegen aus dem Berliner LKA 4 zur Unterstützung angefordert, heißt es polizeiintern.

Auf dem Video, das im Internet hundertfach geteilt wurde und wird, ist tatsächlich zu sehen, wie einer der Berliner Ermittler durchgehend ruhig mit dem immer wütender werdenden Clan-Chef spricht. Der Grund für dessen Wut: Bushidos Frau habe ein Familienmitglied der Abou-Chakers beleidigt. Die Polizei bestätigte diese Vorwürfe mittlerweile, spricht allerdings von "wechselseitigen Beleidigungen der beiden Beteiligten".

Zudem scheint Arafat Abou-Chaker den LKA-Ermittler zu kennen und zeigt zumindest diesem Polizisten gegenüber ein Mindestmaß an Respekt. Andere Einsatzkräfte, die dem Familienoberhaupt unter anderem Befehle wie "Sie bleiben schön hier stehen!" erteilen wollen, blafft der Mann jedoch völlig unverfroren an. Tatsächlich lag kein Durchsuchungsbeschluss oder eine ähnliche richterliche Anordnung vor, der Einsatz hatte nichts mit der Familie Abou-Chaker zu tun.  So betont der Mann auch mehrfach: "Ich bleibe, wo ich will, ist mein Gelände!" 

Diskussion bei Facebook entbrannt

Zu Recht, wie offenbar viele Berliner finden. "Man muss ihn nicht mögen, aber inhaltlich hat er Recht. Ohne Beschluss kein Betreten etc., es sei denn bei Gefahr im Verzug und/oder einem Verdachtsmoment", heißt es etwa bei Facebook. Ein weiterer Internetnutzer schreibt dazu: "Er hat nur seinen Grund und Boden verteidigt. Ich will ihn nicht in Schutz nehmen, ganz im Gegenteil - aber man sollte fair bleiben!"

Eine junge Frau empört sich hingegen: "Wo er täglich das Recht und die Grenzen anderer verletzt. Ich habe mit diesen Verbrechern in einer Straße gewohnt. Keiner kann sich annähernd vorstellen wie ekelhaft diese Leute sind, die körperliche Unversehrtheit anderer mit Füßen treten". Das, wird der Frau entgegnet, habe allerdings "nichts damit zu tun, dass er hier nun mal im Recht war". 

Ein weiterer User fasst schließlich zusammen: "Was hat Arafat denn in dieser Situation falsch gemacht? Offensichtlich nix, er war auf seinem Grundstück. Beleidigt wird niemand gern, er hat seinem Ärger Luft gemacht. Die Polizei kommt in der Situation nicht gut weg, konnte hier aber auch nur verlieren, da ihre Schutzperson sich einfach dumm verhält."

Polizei "nicht sonderlich glücklich" über Vorfall

Nach Informationen der Berliner Zeitung ist man bei der Polizei tatsächlich "nicht sonderlich glücklich" über den Vorfall vom 12. Juni. Aus den Reihen des Berliner Landeskriminalamtes ist zudem zu hören, man habe sich von den Brandenburger Einsatzkräften "etwas mehr Fingerspitzengefühl" gewünscht. Letztlich sei aber nichts passiert - weshalb die Berliner Polizei den Fall aus ihrer Sicht auch als erledigt ansieht.