Wichtiger Verkehrsknotenpunkt: Das Dreieck Funkturm.
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BerlinVon Demokratieverdrossenheit ist bei Falk von Moers nichts zu spüren. Bürgerprotest kann sich lohnen, sagt er. Der Vorstand des Siedlervereins Eichkamp spricht aus eigener Erfahrung. Kritik an dem Konzept für den Umbau des Autobahndreiecks Funkturm hat dazu geführt, dass ein wesentlicher Teil umgeplant wird. Jetzt hat die Projektgesellschaft Deges, die für das Millionenprojekt im Westen Berlins zuständig ist, die neue Variante präsentiert. Sie sei „ein riesiger Schritt nach vorn“, lobte von Moers am Mittwoch. Jan Eder von der Industrie- und Handelskammer Berlin sprach von einem „tragfähigen und guten Kompromiss“.

Es gab Demos, Protestnoten und hitzige Debatten. Bürger und Politiker opferten viele Stunden, um die Planung für eines der größten Verkehrsbauvorhaben dieses Jahrzehnts zu beeinflussen. „Ich habe fast tausend Stunden investiert“, so von Moers.

Es geht um den Umbau des Knotenpunkts, an dem die Avus auf den Stadtring stößt. Das Dreieck Funkturm besteht aus 1,9 Kilometer Fahrbahn und 25 Brücken, die  in die Jahre gekommen sind. Heute nutzen täglich 230.000 Fahrzeuge, den kurven- und steigungsreichen Spaghettiknoten am ICC. Vor sechs Jahrzehnten wurde mit 20.000 kalkuliert.

Grafik: BLZ/Galanty

Doch das Autobahndreieck muss nicht nur dringend erneuert werden, die Planer halten auch eine Umgestaltung für erforderlich. Details, die manchen Kraftfahrern heute noch den Angstschweiß auf die Stirn treiben, sollen beseitigt werden. Ein- und Ausfädelspuren werden verlängert, innerhalb des Knotenpunkts soll es keine Ein- und Ausfahrten mehr geben. Er wird auch kompakter, damit Platz für neue Häuser entsteht. Künftig soll die Avus über den heutigen Rasthof-Parkplatz führen.

Ein Teil der Planung, die Verlegung der Anschlussstelle Messedamm, stieß bei den Eichkampern auf Kritik. Die neue Zufahrt sollte direkt neben der Siedlung entstehen. Um sie dort unterzubringen, müsste die Avus auf 400 Meter Länge um vier Meter angehoben werden. Am Südende der Waldschulallee, an der sich Schulen, Kitas und Sportstätten befinden, würde eine staugefährdete und unfallträchtige Großkreuzung entstehen, so von Moers. „Und ein Teil des Waldes, der unsere Siedlung schützt, müsste gefällt werden.“

„Wir haben gemerkt, dass unsere bisherige Vorzugsvariante auf erheblichen Widerstand stößt“, sagte Andreas Irngartinger von der Deges am Mittwoch. Es wäre absehbar gewesen, dass Anwohner vor Gericht ziehen. Gegenvorschläge von Bürgern und Bezirksvertretern gingen in die neue Variante ein, an der jetzt weiter gearbeitet wird. Der Abstand zwischen dem Beginn der Siedlung Eichkamp und der Anschlussstelle fällt mit rund hundert Metern größer aus. Die Zufahrt, die vom Messedamm zur Autobahn führt, wird sogar noch weiter abgerückt, betonte Projektleiter Burkhard Pott. Weil die Masurenallee nicht weit entfernt ist, wird die Jafféstraße, die in der Nähe der Siedlungen Eichkamp und Heerstraße verläuft, von Verkehr entlastet. Damit nicht genug: „Die Avus muss nicht hoch gelegt werden.“

Der Ingenieur machte deutlich, dass die alternative Planungsvariante von „normalen Straßenentwürfen“ ziemlich weit entfernt ist. Die Zufahrt ist kurvig, sie führt zunächst unter der Avus hindurch, dann über die Bahn Richtung Spandau hinweg. „Doch wenn es städtebauliche Rahmenbedingungen erzwingen, kann man das schon so machen“, hieß es.

Mit Mehrkosten für das zuletzt auf rund 312 Millionen Euro kalkulierte Projekt rechnet Andreas Irngartinger nicht. Zwar sei das Vorhaben sechs Monate in Verzug geraten. Doch wenn nun das Klagerisiko sinkt, könnte die Planung doch noch gehalten werden. Bisher hieß es, dass der Umbau frühestens 2023 beginnt und sieben bis acht Jahre dauert.

Als die Deges die neue Variante am Dienstagabend vorstellte, waren Senat, Bezirk und Bürger vertreten. „Wir haben positive Signale empfangen“, erläutert Irngartinger. „Alle am Tisch konnten sich vorstellen, dass wir auf dieser Ebene weiter vorankommen.“

Dennoch bleibt Kritik. Weil sieben Zu- und Abfahrten entfallen, wächst die Belastung der verbleibenden Anschlussstellen, wurde moniert. „Der Senat beschert uns noch mehr Autos, Lkw und Schleichverkehr“, so Wolfgang Neumann vom Kiezbündnis Klausenerplatz. Für Anwohner sei der Stadtring ein Ärgernis. Die geforderte Deckelung der A100 würde nur „sehr verhalten angegangen“.