Nach dem Angriff auf eine Frau und zwei Kinder in der S-Bahn fordern Politiker eine harte Bestrafung der Täter. Auch neue Details über die Täter wurden bekannt. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) sprach von einem unmenschlichen Angriff, „der an Widerwärtigkeit nicht zu überbieten“ sei. Er würdigte die Zeugen, die geholfen hätten, die Täter zu stellen. „Ich fordere eine angemessene Bestrafung der Täter.“

Wie berichtet, waren eine Frau und ihre etwa 5- und 15-jährigen Kinder am Sonnabend in einer S-Bahn von zwei Männern angegriffen worden. Diese grölten Naziparolen und beschimpften die drei als „Asylantenpack“. Der 32-jährige Christoph Sch. öffnete seine Hose und urinierte auf die Kinder.

Mehrere Zeugen riefen die Polizei. Bundespolizisten nahmen die betrunkenen Männer – Christoph Sch. und Robert Sch. – auf dem S-Bahnhof Frankfurter Allee fest, während die Familie in der Bahn weiterfuhr. Nach der Personalienaufnahme und Blutentnahme ließ die Bundespolizei die beiden Männer laufen – was teils auf Unverständnis stößt.

Unterwegs in der Drogenszene

Christoph und Robert Sch. sind der Polizei einschlägig bekannt wegen des Verbreitens von Naziparolen, Körperverletzung und Diebstahls. Bei dem in Sömmerda (Thüringen) geborenen Christoph Sch. kommen noch Drogendelikte hinzu. Er ist in Sachsen gemeldet, lebt in Berlin und übernachtet bei Freunden aus der Trinker- und Drogenszene.

Nach Ansicht des innenpolitischen Sprechers der Grünen, Benedikt Lux, wäre es rechtlich zulässig gewesen, beide Männer bis zum Abklingen ihres Rausches in Polizeigewahrsam zu nehmen. Dies sei möglich, um die bevorstehende Begehung oder Fortsetzung einer Straftat zu verhindern. Die alkoholbedingte Enthemmung der Täter sei weit genug fortgeschritten gewesen, um weitere Straftaten zu begehen. „Wer dazu fähig ist, in aller Öffentlichkeit auf Menschen zu urinieren, ist eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit.“

Bundespolizei weist Vorwürfe zurück

Der SPD-Innenexperte Tom Schreiber kritisiert ebenso wie die Grünen die Bundespolizei: „Sie hätte ihre rechtlichen Möglichkeiten ausnutzen müssen.“ Er bezeichnete es als Irrwitz, dass die Täter nach Personalienfeststellung wieder frei kamen. Die Justiz müsse nun schnell und hart durchgreifen, um Nachahmer-Taten zu verhindern, die Richterschaft müsse entsprechend sensibilisiert sein.

„Die Voraussetzungen für eine Gewahrsamnahme über das notwendige Maß der polizeilichen Bearbeitung hinaus waren in diesem Fall nicht gegeben“, sagt dagegen ein Sprecher der Bundespolizei.

Inzwischen übernahm der Staatsschutz beim Landeskriminalamt die Ermittlungen wegen Körperverletzung und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Für Letzteres sieht das Strafgesetzbuch bis zu drei Jahre Haft vor.

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