Die Tat sorgte deutschlandweit und im Ausland für Empörung: Am 22. August sollen der 32-jährige Christoph Sch. und sein 37-jähriger Kumpel Robert S. in einer S-Bahn der Linie S 41 eine Frau und ihre beiden Kinder rassistisch angepöbelt haben. Laut Bundespolizei soll der Jüngere dann sein Geschlechtsteil entblößt und auf die Familie uriniert haben.

Wie am Donnerstag bekannt wurde, hat das Amtsgericht Tiergarten am 7. Oktober gegen beide Männer Haftbefehl wegen Volksverhetzung und des Verwendens von verfassungswidrigen Kennzeichen erlassen.

Mutmaßlicher Haupttäter abgetaucht

Laut Staatsanwaltschafts-Sprecher Martin Steltner wurde der 37-Jährige auf einer „Bärgida“-Demonstration, die jeden Montag am Berliner Hauptbahnhof stattfindet, verhaftet. Ein Richter verschonte Robert S. jedoch am Dienstag von der Haft und setzte den Haftbefehl gegen Auflagen aus, weil der Beschuldigte in Berlin einen festen Wohnsitz hat. „Die Staatsanwaltschaft hat dagegen Beschwerde eingelegt“, sagte Steltner.

Christoph Sch. wurde noch nicht verhaftet. Nach ihm werde gesucht, sagte Steltner. Er sei abgetaucht.

Wegen Straftaten polizeibekannt

An jenem 22. August waren beide in der Ringbahn S 41 auf die Frau und deren etwa 5 und 15 Jahre alten Kinder getroffen. Laut Ermittlungsakte beleidigten die Männer die Familie mit üblen Nazi-Parolen, zeigten den Hitlergruß und bezeichneten die drei als „Asylantenpack“. Dann zog Christoph Sch. seine Hose herunter, zeigte der Familie seinen entblößten Hintern und sein Geschlechtsteil.

Laut Bundespolizei, die sich auf mehrere Zeugenaussagen beruft, soll er dann auf die Familie uriniert haben - was die Staatsanwaltschaft bislang allerdings nicht bestätigt.

Am S-Bahnhof Frankfurter Allee nahmen Bundespolizisten die beiden volltrunkenen Männer fest. Nach der Personalienfeststellung ließen die Beamten die beiden zunächst wieder laufen. Die Mutter blieb mit den Kindern in der S-Bahn sitzen und fuhr weiter. Die Polizei hat sie bis heute nicht gefunden, sodass sie keine Aussage der Opfer hat.

Sechseinhalb Wochen bis zum Haftbefehl

Unklar bleibt, wieso es nach der Festnahme der Täter sechseinhalb Wochen dauerte, bis ein Richter Haftbefehle erließ.

Verschiedene Politiker zeigten sich nach dem Vorfall bestürzt. So forderte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) eine „angemessene Bestrafung der Täter“. Und Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte: „Hier werden Menschen entwürdigt, und zwar von Tätern, die sich selbst wie Tiere benehmen.“

Christoph Sch. aus Sömmerda (Thüringen) ist der Polizei wegen Körperverletzung, Diebstahls, Drogendelikten und des Verwendens von Nazisymbolen. Er soll in Neukölln bei Freunden wohnen. Auch Robert S. aus Spandau ist mehrfach vorbestraft, unter anderem wegen Körperverletzung, Drogendelikten und des Verwendens von Nazisymbolen.