Berlin - Knapp drei Monate noch, dann ist eine der wichtigsten Straßenverbindungen im Norden Berlins wieder in beiden Richtungen befahrbar. Das teilte die Senatsverkehrsverwaltung mit. Die Bösebrücke zwischen Prenzlauer Berg und Gesundbrunnen, die seit Juni 2015 saniert wird, soll im Sommer vollständig für den Verkehr freigegeben werden – etwas später als geplant.

„Nach aktueller Terminplanung werden die wesentlichen Bauleistungen Ende Juli/Anfang August fertiggestellt“, sagte Matthias Tang, der Sprecher von Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne). Anschließend könne der Verkehr wieder vollständig über die Bösebrücke fließen, und die Umleitungsstrecken können entfallen.

Anwohner klagen über Verkehr

„Damit wurde die ausgewiesene Bauzeit nicht genau eingehalten“, so Tang. Ein Grund dafür ist, dass zusätzliche Bauleistungen erforderlich wurden. Zudem hat die Deutsche Bahn, deren Gleise unter der Brücke verlaufen, Sperrpausen angepasst. „Wir bemühen uns, eine frühere Lösung zur Aufhebung der Umleitungsstrecke zu ermöglichen“, teilte der Sprecher mit.

Ursprünglich hieß es, dass die Brücke Mitte 2017 wieder in beiden Richtungen befahrbar ist. Derzeit darf sie von Kraftfahrzeugen nur in Richtung Westen passiert werden. Der Gegenverkehr wird über die Jülicher, Behm- und Malmöer Straße umgeleitet – zum Leidwesen der Anwohner. Sie hatten vergeblich dagegen protestiert, dass Tag für Tag bis zu 10.000 Kraftfahrzeuge zusätzlich durch ihr Wohnviertel rollen.

Sie hieß früher Hindenburgbrücke

Weil die Bornholmer Straße über die Brücke verläuft, kennen viele Berliner dieses Bauwerk als „Bornholmer Brücke“. Doch so hieß die 138 Meter lange Überführung nie offiziell. Die erste genietete Stahlbrücke der Stadt trug bei ihrer Eröffnung 2016 den Namen Hindenburgbrücke. 1948 wurde sie nach Friedrich Wilhelm Böse benannt – einem Widerstandskämpfer gegen das Nazi-Regime, der 1944 hingerichtet wurde. 1989 wurde die Brücke berühmt: Dort begann der Mauerfall, die DDR-Grenzübergangsstelle Bornholmer Straße wurde in der Nacht zum 9. November 1989 als erste geöffnet. Später sang David Bowie: „Twenty thousand people cross Bösebrücke.“ Auch in der Soap Opera „Gutes Wedding, schlechtes Wedding“, spielt das Bauwerk eine wichtige Rolle – als „böse Brücke“.

Doch die denkmalgeschützte Überführung ist in die Jahre gekommen. 2012 bekam sie bei einer Prüfung nur noch die Note 3,0. Das bedeutet: nicht ausreichender Zustand, Standsicherheit und Verkehrssicherheit sind beeinträchtigt. 2015 begann die Instandsetzung – die dazu geführt hat, dass das Bauwerk leichter wurde. Der Beton wurde durch eine andere Konstruktion ersetzt. Geschätzte Kosten: 5,3 Millionen Euro. „Die Bauleistungen befinden sich planmäßig im zweiten Bauabschnitt“, sagte Tang.

Die innerstädtische Grenze hatte die Bösebrücke geteilt. Das führte dazu, dass frühere Arbeiten nach unterschiedlichen Standards ausgeführt wurden. „Nun wurden diese nutzungsrelevanten Defizite behoben“, sagte der Sprecher. Der Ost-West-Unterschied ist verschwunden. Man könnte auch sagen: Die Brücke wurde wieder vereinigt.