Im Ernst-von-Bergmann-Klinik kam es zu ungewöhnlich vielen Corona-Infektionen.
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PotsdamDie ungewöhnliche Häufung von Corona-Erkrankungen bei Patienten und Mitarbeitern im Potsdamer Ernst-von-Bergmann-Klinikum sowie die vielen Todesfälle dort haben zur Beurlaubung der beiden Klinikchefs geführt. Das gab Oberbürgermeister Mike Schubert (SPD) am Donnerstagabend bekannt. Als Übergangsgeschäftsführung setzte er Hans-Ulrich Schmidt und Tim Steckel ein. Sie übernehmen ihre Aufgaben ab 25. April – bis auf weiteres.

Die bisherigen Geschäftsführer Steffen Grebner und Dorothea Fischer seien ab Sonnabend beurlaubt. Die Beurlaubung gilt erst einmal für ein halbes Jahr. Derweil soll geklärt werden, ob es mögliche Mängel im Haus gab und ob die Chefs mitverantwortlich dafür sind, dass es so viele Corona-Fälle dort gibt. Die Beurlaubung hatte der Oberbürgermeister selbst vorgeschlagen. Dieser Idee hatten dann der Aufsichtsrat der Krankenhausgruppe zugestimmt und am Mittwochabend auch der Hauptausschuss des Stadtparlamentes.

„Dieser Schritt ist nötig, um mit großer Transparenz mögliche organisatorische Versäumnisse aufzuarbeiten und das Vertrauen in das städtische Klinikum wiederherzustellen“,sagte Schubert. „Es ist wichtig, dass wir einerseits nach vorne schauen, aber andererseits die vergangenen Wochen aufarbeiten.“

In der Klinik waren bisher 39 Verstorbene auch an Covid-19 erkrankt. Das ist ein Drittel aller Todesfälle im gesamten Land Brandenburg. Wegen der ungewöhnlichen Häufung von Corona-Fällen in der bisherigen Vorzeigeklinik gilt seit 1. April ein Aufnahmestopp für neue Patienten– außer für Notfälle.

Die Staatsanwaltschaft prüft, ob sich Ärzte und Geschäftsführer strafbar gemacht haben. Dabei geht es um den Vorwurf, dass bestimmte Corona-Fälle nicht oder nicht fristgerecht an das Gesundheitsamt gemeldet wurden. Außerdem gibt es auch eine Anzeige wegen fahrlässiger Tötung.

Der Oberbürgermeister setzte eine Kommission zur Aufarbeitung der möglichen Versäumnisse ein. Sie wird auf Bitten von Schubert geleitet von der früheren Gesundheitsministerin Anita Tack (Linke). Sie will die Untersuchungskommission zusammenzustellen und gemeinsam mit einem Fachmann als Doppelspitze leiten.

Der Auftrag der Kommission ist, aufzuklären, ob die in einem Bericht des Robert-Koch-Institutes vom 3. April 2020 benannten Mängel in der Vorbereitung auf einen Corona-Ausbruch auf grundlegende organisatorische und hygienische Mängel im Klinikum zurückzuführen sind und ob es deshalb zu Fehleinschätzungen gekommen ist.

Schubert sagte über die Strategie für die nächste Zeit: „Unser Ziel ist es, das Klinikum so schnell wie möglich wieder vollumfänglich als Gesundheitshaus einzurichten.“ Bis Anfang Mai soll ein konkreter Plan vorliegen, wann und wie die normale medizinische Arbeit im Klinikum, das als Schwerpunktversoger für 500.000 Menschen in der Region dient, wieder in vollem Umfang fortgeführt werden kann. Dieses Konzept werde eng mit dem Gesundheitsministerium abgestimmt, so Oberbürgermeister Mike Schubert.

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