Die Grünberger Straße in Berlin-Friedrichshain: Hier erschoss ein Polizist am Freitag eine Frau.
Foto: Morris Pudwell

Berlin-FriedrichshainNach dem Tod einer 33-Jährigen bei einem Polizeieinsatz sind rund 50 Menschen in Berlin-Friedrichshain am Samstagabend zu einer unangemeldeten Demonstration zusammengekommen. Die Menschen, teilweise vermummt und schwarz gekleidet, haben sich in der Grünberger Straße in der Nähe des Frankfurter Tors versammelt, wie ein Polizeisprecher am Sonntag sagte. Dabei kam es nach den Angaben auch zu Ausschreitungen: Es sollen Straßenbarrikaden aus herausgerissenen Verkehrsschildern und Bauzäunen errichtet worden sein.

Polizisten beschimpft

„Unsere Einsatzkräfte wurden beschimpft, als sie die Versammlung auflösen wollten“, sagte der Sprecher. Auf die Fahrbahn seien mit blauer Farbe Slogans wie „Rest in Peace Maria“ und „Polizei = Mörder“ geschrieben worden. Die Beamten notierten mehrere Strafanzeigen. Die Gruppe flüchtete zum Boxhagener Platz und löste sich auf. Niemand wurde verletzt.

Ein 28-jähriger Berliner Polizist hatte bei einem Einsatz in Friedrichshain am Freitag die 33-jährige Maria B. erschossen. Sie soll die Polizisten mit einem Küchenmesser angegriffen haben, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Eine Obduktion hatte ergeben, dass der Schuss in den Oberkörper tödlich gewesen war.

Kritik von Anwohnern an Polizeischüssen

Die Frau war nach Angaben von Ermittlern polizeibekannt, unter anderem wegen Drogendelikten. Sie lebte in der Zwei-Zimmer-Wohnung in der Grünberger Straße mit zwei Männern in einer Wohngemeinschaft. Die von der Insel Rügen stammende Maria B. habe psychische Probleme gehabt, berichten Anwohner. Sie habe sich tagsüber in der Drogen- und Trinkerszene am Boxhagener Platz aufgehalten.

Mehrere Nachbarn hatten nach dem Einsatz Unverständnis über die Polizeischüsse gezeigt. „Immer wieder war die Polizei hier. Die Polizisten hätten wissen müssen, dass die Frau psychisch krank ist“, sagt ein Nachbar. Sie sei zudem dünn und zierlich gewesen, und sicherlich hätte die Polizei sie auch anderweitig überwältigen können.

Bei kurzer Distanz bleibt nur der Oberkörper als Ziel

In der Ausbildung lernen Polizisten, dass für den Gebrauch der Schusswaffe strenge Restriktionen gelten. Allerdings ist es nach Aussage von Einsatztrainern bei einem Messerangriff bei einer Distanz von weniger als sechs Metern so gut wie unmöglich, nur auf die Beine zu zielen. Dann könne meist nur noch auf den Oberkörper eines schnell herannahenden Angreifers geschossen werden, um die Messerattacke abzuwehren.