Im Kleingarten des mutmaßlichen Mörders von Elias (6) und Mohamed (4) sind keine weiteren Leichen gefunden worden. Das sagte am Sonntag ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur. Ein Bagger habe das Grundstück in Luckenwalde (Teltow-Fläming) komplett umgegraben. „Es kann ausgeschlossen werden, dass dort noch etwas zu finden ist“, sagte der Sprecher.

Am Freitag war ein Leichnam entdeckt worden. Damit wird immer wahrscheinlicher, dass es sich dabei um Elias aus Potsdam handelt. Der mutmaßliche Mörder des Flüchtlingsjungen Mohamed hatte gestanden, auch den seit Juli vermissten Sechsjährigen getötet und in seinem Schrebergarten vergraben zu haben.

Die Sonderkommission „Schlaatz“ will am Sonntagnachmittag bei einer Pressekonferenz zum aktuellen Stand der Ermittlungen informieren. Eine DNA-Analyse und eine Obduktion sollten Klarheit bringen. Auch das Wohnhaus des Tatverdächtigen war am Samstag nach Hinweisen durchsucht worden.

In dem Haus hatte der Mann nach seiner Aussage Mohamed missbraucht, mit einem Gürtel erdrosselt und die Leiche auf dem Dachboden versteckt. Zu dem Mord an Elias machte der mutmaßliche Täter dagegen bislang keine näheren Angaben. Nach einer ersten Vernehmung hatte er angegeben, vorerst nichts mehr sagen zu wollen. Derzeit sitzt er in Berlin in Untersuchungshaft. Wegen des Mordes an Mohamed liegt bereits ein Haftbefehl gegen ihn vor. Im Laufe der kommenden Woche soll das gesamte Verfahren nach Brandenburg verlagert werden. Der Verdächtige wird dann dort in die Untersuchungshaft gebracht.

Der Vater beschrieb seinen 32 Jahre alten Sohn unterdessen als „Einzelgänger“, wie die „Bild am Sonntag“ berichtete. Als Wachmann habe er immer die ganze Nacht gearbeitet, „dann haben wir gefrühstückt, dann hat er sich hingelegt und nach dem Abendessen ist er wieder los zur Arbeit gefahren. Wir wussten nur, dass er da ist, wenn sein Transporter vor der Tür stand. Alles war gut.“

Nach Informationen von „Bild“ und „B.Z.“ gehen Ermittler ebenfalls der Frage nach, ob der Tatverdächtige sich an der großen Such-Aktion von freiwilligen Helfern kurz nach dem Verschwinden von Elias beteiligt haben könnte. Ein Polizeisprecher bestätigte dies nicht.

In beiden Fällen gehen die Ermittlungen indes weiter. Die Polizei will unter anderem klären, ob es nicht doch einen Bezug zum Verschwinden der fünfjährigen Inga Anfang Mai in Stendal in Sachsen-Anhalt gibt. Bisher gibt es darauf aber keine Hinweise.
Die Initiative Vermisste Kinder plädiert dafür, dass Eltern das Selbstbewusstsein ihrer Kinder stärken, verweist aber auch darauf, dass solche Verbrechen Einzelfälle seien. Letztlich würden Kinder zufällig Opfer, sagte der Vorstand der Initiative, Lars Bruhns, der Deutschen Presse-Agentur.

Debatte über den Schutz von minderjährigen Asylbewerbern

Elias war Anfang Juli in Potsdam verschwunden, Mohamed am 1. Oktober vor dem für Flüchtlinge zuständigen Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) in Berlin. Fahndungsfotos brachten nach wochenlangen Ermittlungen schließlich den Durchbruch für die Polizei.

Der Fall des entführten Flüchtlingsjungen Mohamed befeuert auch die politische Debatte über den Schutz von minderjährigen Asylbewerbern. Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) und der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, forderten erneut eine schnelle gesetzliche Regelung. „Kinderschutz muss in allen Erstaufnahmeeinrichtungen, in denen sich Kinder aufhalten, gewährleistet sein“, sagte Schwesig „Spiegel Online“. Rörig forderte in der „Welt“ Zugangskontrollen zu Flüchtlingseinrichtungen sowie eine verpflichtende Betriebserlaubnis für Unterkünfte. (dpa)