Berlin - Die matschige Problemzone ist unter Sand- und Sandbergen verschwunden. In den gigantischen Buddelkasten am Leipziger Platz in Mitte fließt kein Grundwasser mehr. Doch der U-Bahn-Tunnel, der über die Baustelle führt und nach der Havarie am Freitagmittag vorsichtshalber stillgelegt worden war, bleibt weiterhin außer Betrieb. Wann die Züge wieder fahren, ist ungewiss. Klar ist nur: Das betroffene U-2-Teilstück zwischen Potsdamer Platz und Mohrenstraße bleibt mindestens bis zum Abend des Ostermontags gesperrt, teilten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) jetzt mit.

Auf der Baustelle, wo der Investor Harald G. Huth bis 2014 ein Einkaufszentrum mit Büros und Wohnungen bauen lässt, hatte es neben dem U-2-Tunnel einen Wassereinbruch gegeben. „Schon in der Nacht darauf hatten wir das Problem im Griff. Seitdem ist die Lage stabil, ich kann wieder ruhig schlafen“, sagte Andreas Fettchenhauer, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Leipziger Platz 12, am Montag.

Grundwasser spült Boden aus

Doch weiterhin gilt, was die Technische Aufsichtsbehörde des Senats noch am Freitag angeordnet hat: Der U-2-Tunnel darf nicht befahren werden - aus Sicherheitsgründen. Die Fahrgäste müssen auf die Busse der Linien M 48 und 200 oder auf den Ersatzverkehr umsteigen. Oder sie umfahren die Sperrung weiträumig. Gutachter untersuchen nun im Auftrag des Bauherrn, ob der Tunnel instabil geworden ist. „Mit ihrer Expertise wird sich ein Prüfingenieur im Auftrag der Bauaufsicht Mitte befassen“, erklärte die BVG-Sprecherin Petra Reetz. Danach ist die Technische Aufsichtsbehörde am Zug. Erst wenn sie zustimmt, werden die Signale von rot auf grün geschaltet - und die U 2 fährt wieder.

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Erste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Havarie die U-Bahn-Anlage offenbar nicht in Mitleidenschaft gezogen hat. Am Montag gab Fettchenhauer neue Details zu dem Unglück bekannt. Danach kam das Grundwasser aus dem Erdreich unter der Voßstraße, die an der Baustelle vorbeiführt. Es drang mit Macht durch eine möglicherweise undichte Fuge der Betonwand, die den Rand der Baugrube abstützt, und verursachte in Windeseile eine tiefe „Ausspülung“ - nur rund 2,50 Meter vom U-2-Tunnel entfernt.

Zwischen der feuchten Stelle und der 1908 eröffneten U-Bahn-Trasse befindet sich jedoch eine weitere Betonwand. Sie war im Herbst rund 25 Meter tief ins Erdreich hinein gebaut worden, um den Tunnel während der Bauarbeiten zu schützen, zusammen mit einer Wand auf der anderen Seite und einem 18 Meter breiten Deckel. Jetzt wird sich zeigen, ob die Schutzkonstruktion ihre Funktion erfüllt. „Der Tunnel ist trocken“, bekräftigte Fettchenhauer.

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Lange Strecke mit dem Bus

Auch wenn der Senat den Tunnel noch in dieser Woche freigäbe, müssten sich die Fahrgäste bis nach Ostern mit der Wiedereröffnung gedulden. Denn die U 2 ist vom 7. bis zum Abend des 9. April ohnehin zwischen Pankow und Stadtmitte wegen Bauarbeiten gesperrt. „Da können wir den Schienenersatzverkehr auch gleich um zwei Stationen zum Potsdamer Platz ausdehnen“, hieß es bei der BVG. So kommt es nun auch. Eine zehn Kilometer lange Ersatzverkehrslinie gab es bei der BVG lange nicht. Die Versicherung des Bauherrn muss sich auf eine größere Rechnung gefasst machen. Reetz: „Pro Tag entstehen der BVG Kosten in fünfstelliger Höhe.“