Ein zwangsgeräumter Blumenhändler drohte am Freitag in Spandau damit, sich von einem Dach zu stürzen. Ein stundenlanger Nervenkrieg war die Folge. Der 46-jährige Tahir Ali M. musste in den Morgenstunden seinen Blumenladen an der Siegener Straße, Ecke Falkenseer Chaussee räumen.

Um 9 Uhr sollte er den Laden „Ali Baba’s Blumen“ einer Gerichtsvollzieherin übergeben. Wenige Minuten später tauchte er auf dem Flachdach eines gegenüberliegenden viergeschossigen Gebäudes auf.
Danach hielt er sich an der Dachkante auf. Vor ihm stand ein großer weißer Plastikkanister mit einer Flüssigkeit. Vom Behälter führte eine Leine, die der Mann sich um den Hals gewickelt hatte und die mit der Dachkante verbunden war. Die Polizei befürchtete, dass der Mann sich entweder strangulieren wollte, indem er den Behälter vom Dach stößt, oder dass er springen könnte. Schließlich erschien ein Team des Spezialeinsatzkommandos (SEK) vor Ort. Psychologisch geschulte Mitarbeiter der Verhandlergruppe des SEK hatten am Morgen kurz Kontakt mit dem Mann. Dann brach er ab.

Indes versammelten sich vor dem Gebäude Freunde und Unterstützer des verzweifelten Mannes. Mit einem Megafon versuchten sie, Tahir Ali M. vom Sprung abzuhalten. Gegen die Räumung von „Ali Baba’s Blumen“ organisieren verschiedene, unter anderem linke Gruppen, seit Längerem Protest. Anwohner sollen mehr als 1 600 Unterschriften für Tahir Ali M. gesammelt haben.

Neuer Standort

Vor mehr als 20 Jahren hat Tahir Ali M. seinen Blumenladen in dem Anbau zu einem Supermarkt eröffnet. Über die Jahre gewann er eine feste Stammkundschaft und wird von vielen als netter und freundlicher Verkäufer charakterisiert. Seit Jahren ist er mit den Nachbarn im Gespräch. Nun muss er mit seinem Laden weichen, weil sich der dort vorhandene Edeka-Reichelt-Markt erweitern möchte. An der Stelle des Blumenladens soll ein Bäcker und ein Café entstehen, zudem will der Supermarkt dort selbst Blumen anbieten.

Im Mai dieses Jahres kündigte der Supermarkt das Mietverhältnis mit Tahir Ali M. Dem Blumenhändler wurde ein neuer Platz außerhalb des Marktes angeboten. Doch die Kosten für die Neuaufstellung eines Verkaufscontainers sowie das Verlegen neuer Strom- und Wasserleitungen kann sich der Blumenhändler nach eigenen Angaben nicht leisten. Sie sollen sich auf rund 50 000 Euro belaufen.

Mit rund 60 Beamten war die Polizei am Freitag schließlich vor Ort. Die Siegener Straße wurde gesperrt. Die Feuerwehr hatte sicherheitshalber ein Sprungkissen ausgebreitet. Polizeisprecher Stefan Redlich sagte noch gegen 12 Uhr: „Unser Ziel ist es, dass hier heute niemand verletzt wird. Das ist eine sehr gefährliche Situation.“

Gegen 13 Uhr ging der Mann auf dem Dach plötzlich in die Knie und sackte zusammen. Er hatte einen Kreislaufzusammenbruch erlitten. Sofort kamen SEK-Beamte hinzu und sicherten ihn. Sanitäter versorgten den Mann. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht.

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