Berlin-Mitte - Barbara Ronska wurde in Polen geboren, machte dort eine Ausbildung zur Köchin, dann in Deutschland zur Einzelhandelskauffrau. Heute betreibt sie ein Bio-Geschäft in der Granseer Straße – mit Überzeugung und Leidenschaft.

Alles ist gut sortiert und übersichtlich – und vor allem wirklich Bio

Der kleine Bioladen am Arkonaplatz heißt „Gaumenweide“ und die Führung dieses Geschäftes ist ein tapferes Projekt. Filialen der großen Biomärkte-Ketten breiten sich in der Stadt aus, die Discounter führen seit einigen Jahren ebenfalls Produkte, die aus nachhaltiger und umweltverträglicher Produktion stammen sollen. Die Zahl der Biosiegel hat sich vervielfacht, auch wenn wohl nicht überall Bio drin ist, wo Bio draufsteht. Die Konkurrenz für die „Gaumenweide“ ist also enorm.

Barbara Ronska ging das Risiko ein und kaufte im Oktober 2018 das Geschäft: Es ist gerade einmal 90 Quadratmeter groß, die Verkaufsfläche – abzüglich Lager und Küche – nur 70 Quadratmeter. Das ist wirklich klein, aber die Chefin und ihre vier Mitarbeiter scheinen zaubern zu können. Es gibt eine Käsetheke mit dutzenden Käsesorten. Im Kühlregal stehen Brotaufstriche, Butter, Milch.

Der Laden führt Kartoffeln, Gemüse und Obst, Mineralwasser und Säfte, Kosmetik-Artikel und sonst noch so alles, was es eben in einem Biomarkt so gibt. Alles ist gut sortiert und übersichtlich – und vor allem wirklich Bio, stammt also aus artgerechter Tierhaltung oder aus der ökologischen Landwirtschaft, wo die Pflanzen weder gentechnisch verändert noch mit Pflanzenschutzmitteln oder künstlichen Dünger gezüchtet werden. Darauf achtet Barbara Ronska.

Zuhause immer viel Fleisch

Die 41-Jährige ist heute Vegetarierin, schwört auf Bio und kennt sich damit gut aus – obwohl ihr das nicht in die Wiege gelegt wurde. „Wir hatten in Polen manchmal wirtschaftlich sehr schwere Zeiten, aber wir haben immer gern und viel Fleisch gegessen,“ sagt sie.

Wobei die Herkunft der Lebensmittel kein Thema gewesen wäre, ergänzt sie. „Für Pestizide hatten die Bauern kein Geld. Und an industrielle Lebensmittelproduktion war nicht zu denken.“

Nach der Grundschule machte Barbara Ronska das Abitur und wurde Köchin. Sie heiratete und bekam ein Kind. Den erlernten Job hat sie nie ausgeübt. Stattdessen arbeitete sie als Saisonkraft in Deutschland, bei der Spargelernte oder im Gartenbau. Vor 19 Jahren zog sie mit ihrer Familie nach Berlin.

Warum sich jeder Bio-Lebensmittel leisten sollte 

Sie machte Minijobs als Verkäuferin, schlug sich mit der Bürokratie und den Ämtern herum, und bekam ihr zweites Kind. 2006 vermittelte ihr das Jobcenter eine Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel für Bio-Lebensmittel. Sie entschloss sich, Vegetarierin zu werden.

Während der Ausbildung machte sie Praktika, in einem Reformhaus, dann bei der „Gaumenweide“. Die 41-Jährige wirkt sehr organisiert, durchsetzungsfähig, konzentriert. Sie durfte bleiben. Schon nach einiger Zeit fragte sie die Chefin, ob sie den Laden mal übernehmen wolle. Was sie 2018 nach dem plötzlichen Tod der Chefin auch tat. Eine der Kundinnen und Verwandte gaben ihr das Startkapital als Kredit.

Barbara Ronska hat diese Entscheidung noch nicht bereut. „Aber es ist schwierig, in den schwarzen Zahlen zu bleiben“, sagt sie. An ihr liegt das sicher nicht, denn sie hat ziemlich gute Argumente, warum jeder sich Bio-Lebensmittel leisten sollte – auch wenn die teurer als konventionelle sind. Was man heute esse, sagt sie, zahle sich später bei der Gesundheit aus. „Ich spare jetzt Geld – was ich dann aber im Alter für teure Medikamente ausgeben muss.“

 „Der Verkauf von Bio-Produkten ist nicht nur ein Geschäft, sondern ein Konzept“

Sie würde gern noch mehr Beispiel nennen, doch die Zeit drängt. In der Gaumenweide kann man nämlich nicht nur Lebensmittel kaufen, sondern es wird auch ein Mittagsimbiss angeboten, der vorbereitet werden muss. Für die Suppen wird Gemüse verwendet, dass nicht mehr verkauft wird. Ein Bio-Bäcker liefert Brote und Kuchen.

Barbara Ronska und ihre Mitarbeiter haben alle Hände voll zu tun und wenn die Chefin am Abend nach Hause geht, kocht sie noch für die Familie, meist vegetarisch, und bereitet zum Beispiel Frikadellen oder Müsli-Riegel für den Laden vor.

„Wir machen weiter“, sagt sie entschlossen. „Denn wir nehmen ernst, was wir hier tun. Der Verkauf von Bio-Produkten ist nicht nur ein Geschäft, sondern ein Konzept. Es ist eine Lebensauffassung.“