Fast 100 vegane Restaurants gibt es in Berlin. So viel wie nirgendwo sonst im Land. Dass das so ist, sagt aber dennoch nicht viel über die Ernährungsgewohnheiten der Berliner. Schließlich hat keine Stadt mehr Einwohner, weshalb Berlin quasi Hauptstadt von allem ist. Allerdings hat der Lebensmittelmarktanalyst Caterwings auch herausgefunden, dass es in Berlin mehr vegane Restaurants als Lokale der Fast-Food-Branche gibt. Das ist dann doch bemerkenswert.

Die vegane Ernährung wurde nicht nur von der Berliner Gastronomie als Geschäftsmodell entdeckt

Bereits seit fünf Jahren gehört die kleine Café-Kette Haferkater dazu. Dort gibt es frisch zubereiteten Haferbrei und Kaffee. Grundsätzlich sind die angebotenen Porridge-Varianten vegetarisch, aber auch vegan zu bekommen – dann eben ohne Honig. „Die Nachfrage hat definitiv zugenommen“, sagt Levin Siert, Co-Chef und Mitgründer von Haferkater. Habe der Anteil kurz nach Firmengründung im Jahr 2014 noch bei 20 Prozent gelegen, würden heute 40 Prozent der Menüs in veganer Version geordert. Inzwischen betreibt die Firma vier Filialen. Die fünfte soll im Mai in Bonn eröffnen. Auch in Berlin sind weitere Haferkater-Cafés geplant. Das dritte soll noch in diesem Jahr starten.

Die vegane Ernährung wurde jedoch nicht nur von der Gastronomie als Geschäftsmodell entdeckt. Im veganen Hotspot der Nation hat sich längst eine fleischlose Zunft etabliert, die von hier aus auch internationale Märkte bedient. Das Friedrichshainer Unternehmen Veganz gilt dabei als Pionier. 2011 wurde es als erste vegane Supermarktkette Europas gegründet, durchlebte seitdem die Höhen und Tiefen unternehmerischer Entwicklung, erfand sich mehrmals neu und versteht sich nun als reiner Produzent veganer Lebensmittel und Marke einer Ernährungsform.

Für diese Transformation sammelte Veganz Ende vergangenen Jahres bei einer Crowdinvesting-Kampagne 1,5 Millionen Euro ein. Eigentlich hatte Veganz-Chef Jan Bredack „nur“ 250.000 Euro angestrebt, doch diese Summe war schon nach 90 Minuten zusammengekommen. So werden bei Veganz an der Warschauer Brücke nun neue vegane Lebensmittel entwickelt, die das Unternehmen dann im Auftrag und in großen Mengen produzieren lässt. Mehr als 160 vegane Artikel vom Proteinshake bis zur Tiefkühlpizza verkauft Veganz in zwölf Ländern. Zuletzt kam China hinzu. Hierzulande ist das Sortiment in nahezu jedem großen Supermarkt zu bekommen.

Nachhaltigkeit: Inzwischen nutzt die Food-Branche auch bewährte Förderinstrumente aus der Tech-Welt

An Haferkater und an Veganz ist auch der Berliner Wagniskapitalgeber Katjegreenfood beteiligt. Mit dem Slogan „Wir gestalten die Foodrevolution aktiv mit“ sucht der 2016 gegründete Ableger des Süßwarenherstellers Katjes von der Neuen Schönhauser Straße in Mitte aus vielversprechende Start-ups der Lebensmittelbranche. Bis zu zwei Millionen Euro investiert Katjegreenfood. Voraussetzung dafür: Die Produkte müssen nachhaltig und vor allem pflanzlich sein.

Inzwischen nutzt die neue Food-Branche auch bewährte Förderinstrumente aus der Tech-Welt. So eröffnete der Verein Proveg Deutschland im vorigen Herbst in Tiergarten einen eigenen Start-up-Inkubator. Dort, so der Anspruch, gehe es darum, innovative Gründer zu fördern, „die mit neuen pflanzlichen Alternativen zu Fleisch, Fisch, Milch und Eiern die Lebensmittelindustrie grundlegend verändern und die Zukunft unserer Ernährung mitgestalten wollen“. Elf Start-ups haben inzwischen den Anfang gemacht.