Das neue Domizil des Bundesnachrichtendienstes in Berlin ist erst teilweise bezogen, doch schon jetzt ist klar, dass es zu klein ist. Nach Informationen der Berliner Zeitung will der deutsche Auslandsgeheimdienst deshalb seinen bisherigen Dienstsitz in Lichterfelde weiter nutzen.

Grund für den weiteren Platzbedarf ist, dass der Bundesnachrichtendienst (BND) mehr als 400 Stellen zusätzlich erhält – im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise und zur Terror-Aufklärung. Das Paradoxon: Der Neubau an der Chausseestraße gilt mit seiner Bruttogeschossfläche von insgesamt 260.000 Quadratmetern als einer der größten Gebäude-Komplexe in der Hauptstadt. Die Fläche entspricht der Größe von etwa 35 Fußballfeldern. Neben Räumen für 4000 Mitarbeiter gibt es eine Logistikzentrale, ein Parkhaus, ein Besucherzentrum sowie eine Schule für den BND und den Verfassungsschutz samt Internat. Kein Ministerium in Berlin ist so groß wie der BND-Neubau.

Trotzdem lassen sich die zusätzlichen Mitarbeiter dort nicht mehr unterbringen, heißt es. Der Wunsch des Geheimdienstes, die Räume am Gardeschützenweg in Lichterfelde zu behalten, geht aus einem Schreiben des Bundesfinanzministeriums an die Vorsitzende des Bundestags-Haushaltsausschusses Gesine Lötzsch (Linke) hervor. Lötzsch beurteilt den Wunsch kritisch: „Der BND hat sich in der Chausseestraße für viel Geld eine ganze Stadt gebaut und stellt jetzt fest, dass der Platz nicht reicht“, sagt sie. „Wenn die BND-Spione genauso schlecht arbeiten, wie die BND-Verwaltung, kann einem Angst und Bange werden.“

Vom BND war bis zum Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu erhalten. Insider bezeichnen die weitere Nutzung der Räume in Lichterfelde aber als günstigste Lösung. Eine mögliche Erweiterung des Neubaus an der Chausseestraße, der architektonisch möglich sei, wäre teurer.

Baukosten liegen bei einer Milliarde Euro

Weitere Ausgaben für den BND-Neubau wären der Öffentlichkeit nur schwer zu vermitteln. Denn die Kosten für das Projekt sind ständig gestiegen. Zum Baubeginn im Jahr 2006 sollte das Projekt noch 720 Millionen Euro kosten. Doch Umplanungen, steigende Baupreise, verschärfte Sicherheitsvorkehrungen und Pfusch am Bau trieben die Ausgaben immer weiter nach oben. Im Dezember vergangenen Jahres wurde die letzte Kostensteigerung verkündet: 1,086 Milliarden Euro soll der Komplex danach verschlingen. Für die Gebäudeausstattung sind allerdings weitere rund 206 Millionen Euro vorgesehen.

Die Preissteigerungen waren nicht die einzigen unwillkommenen Überraschungen. Im Jahr 2011 geriet die bestbewachte Baustelle der Hauptstadt in die Schlagzeilen, weil Bau-Pläne verschwunden waren. Die Arbeiten konnten aber ohne Umplanungen fortgesetzt werden, weil die Pläne nur die Logistikzentrale betrafen, nicht das sensible Hauptgebäude. 2015 wurden schließlich Wasserhähne gestohlen, woraufhin ein hoher Sachschaden durch auslaufendes Wasser entstand.

Vor rund drei Jahren sind die ersten Mitarbeiter in die neue BND-Zentrale eingezogen. Als erstes war damals die Technik- und Logistikzentrale fertig geworden. Derzeit läuft die technische Ausstattung des Hauptgebäudes. Dort sollen die meisten der rund 4000 Geheimdienstmitarbeiter tätig sein. Rund 2000 BND-Leute sind schon jetzt in Berlin. Weitere 2000 sollen mit dem Einzug in die neue Zentrale aus verschiedenen Standorten an die Spree wechseln. Die meisten aus dem bayerischen Pullach.

In Pullach soll das technische Aufklärungszentrum des BND verbleiben. Der Bezug des BND-Hauptgebäudes an der Chausseestraße soll dieses Jahr beginnen und 2018 abgeschlossen sein.