Nachruf auf Axel Hilpert: Unternehmergeist und ein gewisses Maß an Charakterlosigkeit

Er war einer der schillerndsten Unternehmer Brandenburgs: Der Hotelier und Immobilienhändler Axel Hilpert ist in der Nacht zum Donnerstag im Alter von 70 Jahren verstorben. Seine Leiche wurde am Morgen in der JVA Hakenfelde gefunden, wo er eine Haftstrafe wegen Betrugs absitzen musste. Der gesundheitlich angeschlagene Hilpert befand sich im offenen Vollzug und musste nur noch über Nacht ins Gefängnis. Erste Hinweise deuten auf einen natürlichen Tod hin, die Polizei ermittelt aber noch. Eine Obduktion ist angeordnet.

Im Februar 2017 wurde er wegen Betrugs im Zusammenhang mit dem Bau des Luxusresorts Schwielowsee in Petzow bei Brandenburg/Havel zu drei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Durch fingierte Baurechnungen und über ein undurchsichtiges Firmenkonstrukt soll er sich fast drei Millionen Euro von der landeseigenen Investitionsbank erschlichen haben, stellte das Gericht fest.

Chuzpe und Unternehmergeist

Der 1947 im thüringischen Nordhausen geborene ungelernte Kaufmann gehörte zu dem Typus von Menschen, die sich in jeder Gesellschaftsform – ob Diktatur oder Demokratie, ob Plan- oder Marktwirtschaft – zu bewegen wissen und dabei stets an der Oberfläche schwimmen. Chuzpe und Unternehmergeist braucht es dazu, die Hilpert ohne Zweifel besaß, aber eben auch ein gewisses Maß an Charakterlosigkeit. Sich anzudienen und Abhängigkeiten zu schaffen, Allianzen zu schmieden und sie, dreht der Wind, zu zerbrechen, Kumpaneien statt Freundschaften zu pflegen, moralische und juristische Grenzen zu ignorieren – das waren die Fähigkeiten, die Hilpert schon immer ausleben konnte, vor und nach der Wiedervereinigung. Fähigkeiten, die ihn oben hielten, ob in Berlin und Brandenburg nun die SED oder die SPD regierte.

Hilpert war in der DDR Stasi-Agent und Kunsthändler, er war Ehrenoberst des kubanischen Geheimdienstes und jagte für das MfS Verräter und Spione, er half Schalck-Golodkowskis Devisenimperium Kommerzielle Koordinierung (KoKo) dabei, Antiquitätensammler auszuplündern. Zuletzt arbeitete er in der KoKo-Firma Delta, die neben normalen Außenhandelsgeschäften auch zwielichtige Waffen-, Gold- und Devisendeals abwickelte. Auf Kuba sollte er dann mit einer Westberliner Immobilienfirma Hotelanlagen errichten, für Salamander und Ikea wollte man dort Produktionsstätten bauen. Doch die Wende kam dazwischen.

Nach 1989 versuchte er sich glücklos im Immobiliengeschäft und spürte zusammen mit einem ehemaligen Stasi-Offizier geraubte Kunstwerke und sogar Teile des Bernsteinzimmers auf. Erst mit dem Resort Schwielowsee – das er mit Hans-Hermann Tiedje betrieb, dem Ex-Bild-Chefredakteur und Gründer der nicht unumstrittenen Lobbyagentur WMP Eurocom – schien er wieder Erfolg zu haben. Bis sich herausstellte, dass auch dieses auf Betrug gegründet war.

Gönner in der Spitze des Staatssicherheitsdienstes

Dass er zu guter Letzt tatsächlich vor dem Kadi landete, mag ihn selbst am meisten verblüfft haben. Zu DDR-Zeiten konnte ihm so etwas nicht passieren. Dabei machte Hilpert damals auch schon Geschäfte, die ganz offensichtlich gegen Gesetze verstießen. Aber er hatte mächtige Gönner in der Spitze des Staatssicherheitsdienstes.

Aus den nur fragmentarisch überlieferten MfS-Akten geht nicht hervor, womit sich der windige Geschäftsmann in der Normannenstraße so viel Wohlwollen erkauft hatte. Tatsache ist, dass er bereits ab 1971 als Inoffizieller Mitarbeiter (IM) mit dem Decknamen „Monika“ der Stasi zu Diensten war. So verriet er dem MfS 1975 ein Paar, das seine Flucht in den Westen plante. Die Stasi verhaftete die mit dem Spitzel befreundeten Eheleute, ihre Antiquitätensammlung beschlagnahmte sie.

Theaterreifer Auftritt im Bundestag

1977 stieg IM „Monika“ in der Stasi weiter auf. Nun führte ihn die MfS-Hauptabteilung II. Zeitweise war Hilpert direkt dem Chef der für ihre repressiven Methoden gegen Systemgegner und MfS-interne Abweichler berüchtigten Spionageabwehr unterstellt. In jenen Jahren saß er auch in der KoKo-Firma Kunst und Antiquitäten in Mühlenbeck dabei, wenn in kleiner Runde beraten wurde, welchen Antiquitätensammler man als nächstes mit einem fingierten Steuerstrafverfahren überzieht, um dessen Sammlung zu plündern.

Nach der Wiedervereinigung, im April 1992, schilderte Hilpert diese Praxis im Schalck-Untersuchungsausschuss des Bundestages. Die Abgeordneten waren beeindruckt von der scheinbaren Offenheit des Zeugen. Es war ein theaterreifer Auftritt. Unter Tränen beteuerte Hilpert, an solchen „abscheulichen“ Vorgängen nie direkt beteiligt gewesen zu sein. Auch bei der Staatsanwaltschaft belastete er schon im Dezember 1989 seine alten Kumpane.

Vor 13 Jahren, als Hilperts Resort Schwielowsee in Betrieb ging, gab er ein Zeitungsinterview. Seine Zeit in der DDR als Stasi-Spitzel und Antiquitätenjäger der KoKo mache ihm zwar kein schlechtes Gewissen, sagte er damals, aber über die Wiedervereinigung freue er sich schon. „Dass sich heute wirklich jeder nach seinen Fähigkeiten entwickeln kann, macht mich schon sehr froh.“ Als hätte Axel Hilpert es nie verstanden, seine Fähigkeiten für sich auszunutzen.