Dieter Heckelmann ist tot. Der Jurist und CDU-Politiker, von 1991 bis 1996 Innensenator, ist am Sonntag im Alter von 74 Jahren gestorben. Innensenator Frank Henkel würdigte seinen Parteifreund als Person, die „maßgeblich am Zusammenwachsen der Verwaltungen aus dem Ost- und Westteil der Stadt beteiligt“ gewesen sei.

Als er noch in der Öffentlichkeit stand, musste sich Heckelmann ganz andere Aussagen gefallen lassen. Er war einer der umstrittensten Politiker der ersten großen Koalition unter Eberhard Diepgen – und eine Art Lieblingsfeind der Opposition, aber auch des kleineren Koalitionspartners SPD.

Seine Rolle als rotes Tuch für alle Nicht-Konservativen hatte sich Dieter Heckelmann schon in seiner vorherigen Karriere erarbeitet. 1975 trat der gebürtige Hesse eine Professur für Bürgerliches Recht an der Freien Universität an, eine der Keimzellen der Studentenbewegung. Heckelmann hielt dagegen, wurde Mitglied in der NoFU, der „Notgemeinschaft für eine Freie Universität“, die antrat, den kommunistischen Einfluss zurückzudrängen. Seine Wahl 1983 zum FU-Präsidenten bedeutete eine Zäsur: Er war der erste Konservative im Amt seit den 68ern.

Wie sehr ihn der ideologische Kampf umtrieb, zeigte eine Äußerung 2001 in der Debatte um die Herabstufung des Benjamin-Franklin-Uniklinikums in Steglitz zum Regionalkrankenhaus und einer Zentralisierung des Fachbereichs Medizin an der Humboldt-Uni: „Das ist die Rache der Kommunisten an der Freien Universität.“

Mag man sich heute über diesen Furor wundern, war es doch eine Haltung. Diese vermissten Feind – und oft auch Freund – bei Heckelmann in seiner Rolle als Senator. Im Juni 1994 kostete ein handfester Skandal um Haaresbreite seine politische Karriere. Sein Sprecher hatte Kontakte zu rechtsradikalen Kreisen. Heckelmann behauptete, von nichts gewusst und deshalb so lange an dem Mann festgehalten zu haben. Als Konsequenz wurde Heckelmann die Zuständigkeit für den Verfassungsschutz entzogen, der Senator demontiert. Und was sagte er dazu? Seltsam wenig

Heckelmanns Scheu vor Entscheidungen und politischem Streit war Legende. Entsprechend waren die Kommentare. Den einen war er der berühmte Pudding, der nicht an die Wand zu nageln war. Als mal wieder alle mutmaßten, warum Heckelmann überhaupt Innensenator geworden ist, sagte ein CDU-Mitglied: „Er hat einen Dienstwagen und einen Titel.“

1996 war Schluss im Senat, Heckelmann wurde Vize-Fraktionschef der CDU im Abgeordnetenhaus, ehe er sich 1999 aus der Politik zurückzog. Er kehrte zurück an die FU, wo er als Hochschullehrer für Zivilrecht agierte. Am 22. November 2002 wurde er 65-jährig verabschiedet.