Der Sieg war durchaus überwältigend. Die Brandenburger Befürworter eines rigideren Nachtflugverbots von 22 bis 6 Uhr haben ihr Volksbegehren gewonnen. Der Fluglärm am irgendwann einmal zu eröffnenden neuen Flughafen in Schönefeld belästigt zwar ziemlich viele Menschen in der Nachbarschaft, doch die sind nur ein recht kleiner Teil der Gesamtbevölkerung. Trotzdem kamen 26?332 Stimmen mehr zusammen als nötig. Damit war erstmals in Brandenburg ein Volksbegehren erfolgreich.

Der Sieg der Brandenburger ist auch ein Sieg für jene Süd-Berliner, die vom Fluglärm geplagt werden. Denn in der Hauptstadt ist ein ähnliches Volksbegehren gescheitert, und das, obwohl die Berliner Aktivisten ihre Unterschriften auf der Straße sammeln dürfen. In Brandenburg aber muss jeder, der seine Unterschrift abgeben will, extra zum Meldeamt laufen oder einen Brief verschicken.

Allerdings wird der Sieg ohne direkte Folgen bleiben. Die Regierenden haben angekündigt, dass sie sich von Volkes Stimme nicht beeindrucken lassen. Der Potsdamer Landtag wird die Forderungen bald ablehnen, dann steht der erste Volksentscheid im Land an. Bei diesem Urnengang benötigen die Fluglärmgegner nicht einfach nur die Mehrheit aller Stimmen. Nein – 25?Prozent aller Wahlberechtigten müssen für ihre Forderungen stimmen. Das sind mehr als eine halbe Millionen Stimmen: Fast genauso viele wie SPD, CDU, Linke, Grüne und FDP bei der letzten Europawahl zusammen einfuhren. Ein schier unmögliches Unterfangen.

Aber vielleicht ärgern sich viele Brandenburger über die derzeitige Regelung so sehr, dass sie doch zum Volksentscheid gehen und erstmals ihr Parlament überstimmen. Wenn nicht, dann hat der aktuelle Sieg und die anschließende Niederlage doch Folgen: Es zeigt sich, dass die 25-Prozent-Quote nicht gerade demokratieförderlich ist.