Potsdam - Die Koalitionsparteien SPD und Linke wollen auf das Volksbegehren zum Nachtflugverbot am Flughafen BER mit einem eigenen Gegenvorschlag reagieren. Er soll den Anwohnern mehr Nachtruhe in Aussicht stellen, ohne die Wirtschaftlichkeit des Flugbetriebs zu gefährden. Bei den laufenden Verhandlungen beider Parteien würden alle Möglichkeiten dazu geprüft, sagte Linken-Landeschef Stefan Ludwig der Berliner Zeitung.

„Späte oder sehr frühe Maschinen können andere Flugrouten nehmen als tagsüber“, so Ludwig. Denkbar sei auch, in den Randzeiten nur eine der beiden Startbahnen zu betreiben. Ein größerer Steigwinkel könne zusätzlich Lärm vermeiden. „Und die tragische Verzögerung beim BER-Start gibt die Chance, bei Anwohnern guten Schallschutz einzubauen“, fügte der Linken-Vorsitzende hinzu. „Die Zeit muss jetzt dafür genutzt werden.“

Ludwig: Geprüft wird alles

In der zentralen Streitfrage, ob das Nachtflugverbot ausgeweitet wird, deutet sich indes kein Konsens an. Beim Volksbegehren hatten mehr als 100 000 Brandenburger zwischen 22 und sechs Uhr Ruhe am Himmel verlangt, drei Stunden länger als vorgesehen. Die SPD lehnt eine Ausweitung bisher strikt ab. Ludwig beharrte nun darauf: „Geprüft wird alles, was den Lärm mindert – die Ruhezeiten gehören selbstverständlich dazu.“ So ist im Gespräch, Flüge vorzuziehen, die eigentlich nach 22 Uhr starten sollen. Er sei sicher, dass die Koalition eine Lösung finde, sagte Ludwig, „weil beide Partner sie wollen“.

SPD und Linke haben eine vierköpfige Arbeitsgruppe eingesetzt, um bis zur kommenden Woche einen Kompromiss zu finden. Gelingt das, wollen sie im Landtag, zeitgleich zur erneuten Beratung über dass Volksbegehren, eigene Vorschläge machen. Die könnten dann beim erwarteten Volksentscheid im Sommer den Bürgern als Alternative zur Abstimmung vorgelegt werden. Die Koalition will so versuchen, den Kritikern ein wenig entgegenzukommen, den Flugbetrieb aber nicht deutlich einzuschränken. Vor allem die Linkspartei steht unter massivem Druck der eigenen Basis.