Berlin hat rund 3,7 Millionen Einwohner, sie sind so verschieden wie die Stadt selbst. Was also macht Berlin aus, wieso lebt man hier – und tut man es überhaupt gern? In unserer Rubrik „Fragebogen Berlin“ fragen wir bekannte Hauptstädter nach ihren Lieblingsorten und ihren persönlichen No-go-Areas. Sie verraten ihre Gastro-Geheimtipps, Shopping-Favoriten und Kiezgeheimnisse, aber auch, was sie an Berlin nervt und was man hier auf keinen Fall tun sollte.

Diesmal hat Heinz „Cookie“ Gindullis unsere Fragen beantwortet. Der 48-Jährige veranstaltete einst legendäre Clubnächte und wurde so zu einem der bekanntesten Menschen des Berliner Nachtlebens. Inzwischen hat er sich der gehobenen Gastronomie verschrieben, zu seinen Restaurants Crackers und Cookies Cream soll sich aber bald auch wieder eine Bar gesellen. Gindullis, der in London zur Welt kam, wollte ursprünglich gar nicht so lange in Berlin bleiben – und hielt seinem Mitte-Kiez dann doch bis heute die Treue. Hier lebt er mit seiner Freundin Beatrice Heinze und den zwei Kindern.

1.           Herr Gindullis, seit wann sind Sie schon in der Stadt?

Ich kam am 1. Januar 1992 in Berlin an, das ist echt lang her. Eigentlich hatte ich geplant, nur zehn Jahre zu bleiben, und jetzt sind es schon 30. Die Zeit vergeht wie im Flug, wenn man eine gute Zeit hat.

2.          Welcher ist Ihr Lieblingsort in Berlin?

Obwohl Berlin eine Menge Blasen hat, scheine ich mich immer in Mitte wiederzufinden. Die Gegend rund um Tor-, August-, Friedrichstraße und Unter den Linden ist mein Lieblingskiez und Mitte ist der einzige Ort, an dem ich in Berlin gelebt habe.

3.          Wo zieht es Sie hin, wenn Sie entspannen wollen?

Normalerweise verbringe ich meinen Urlaub auf dem Land in Ibiza – dem anderen Berliner Kiez. Ansonsten mache ich viel Meditation. Wenn ich in Berlin nachdenken muss oder einen ruhigen Moment brauche, gehe ich zum Brandenburger Tor und dann in Richtung Tiergarten. Ich finde es dort sehr friedlich.

4.          Welche Ecken der Stadt meiden Sie?

Ich gehe nicht gern in öffentliche Einrichtungen, also in Krankenhäuser oder Ämter zum Beispiel – aber wer tut das schon? Es fühlt sich dort nicht individuell an, man geht in der Masse unter. Das mag ich irgendwie gar nicht.

5.           Ihr ultimativer Gastro-Geheimtipp?

Natürlich liebe ich es, in meine eigenen Restaurants zu gehen. Aber ich genieße es auch sehr, die Konkurrenz zu besuchen und auf dem Laufenden zu bleiben, denn das hält mich immer auf Trab. Durch Corona waren die letzten zwei Jahre allerdings sehr begrenzt, da war ich nur in meinen eigenen Lokalen. Aber vor der Pandemie hat mir das Nobelhart & Schmutzig sehr gut gefallen, da muss ich auf jeden Fall noch mal hin. Und ich will unbedingt bald ins Rutz, Berlins einziges Drei-Sterne-Restaurant. Spannend klingt auch das Oukan in der Ackerstraße mit veganer japanischer Küche.

Cookies Cream
Zur Person

Heinz Gindullis wuchs in London auf und zog 1992 nach Berlin. Er begann als Tellerwäscher, wurde Küchenhilfe, dann Barkeeper. 1994 eröffnete er seine erste „Cookies“-Bar in der Auguststraße in Mitte, mit der er im Berliner Nachtleben schnell bekannt wurde – auch wegen der legendären Partys. „Cookie“ wurde zum Mitbegründer eines neuen Berlin-Mythos.

Seinen Club musste er an sieben verschiedenen Orten eröffnen und wieder schließen, bis er sich 2007 schließlich an der Ecke Friedrichstraße/ Unter den Linden niederließ. Im selben Jahr eröffnete der überzeugte Vegetarier das Cookies Cream – Deutschlands erstes vegetarisches Restaurant, das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde. Nach der Schließung des Clubs 2014 eröffnete Gindullis dort das Crackers.

Der 48-Jährige organisiert auch Veranstaltungen für Unternehmen wie Google und Netflix. In Tansania betreibt er ein karitatives Projekt, das Kinderdorf Mbigili. Im Herbst will er eine neue „Cookies“-Bar eröffnen – im Erdgeschoss seines Sternelokals in der Behrenstraße.

6.           Ihr ultimativer Shopping-Geheimtipp?

Ich kaufe meistens online ein, da ich nicht viel Zeit zum Shoppen habe. Aber ich kann Son of a Tailor sehr empfehlen, dort kaufe ich alle meine T-Shirts. Ich liebe die Baumwolle und alles wird in Portugal hergestellt.

7.           Der beste Stadtteil Berlins ist … 

Na, Mitte natürlich! Mitte ist kosmopolitisch, es verändert sich ständig, es ist international und du findest hier alle möglichen Arten von Essen, Kunst, Parks, Museen und aufregenden Menschen.

8.           Das nervt mich am meisten an der Stadt:

Ganz klar, das Wetter! Ich vermisse den Strand und mehr sonnige Tage. Aber geschäftlich gesehen sind Schlechtwettertage besser für mich, also kann ich mich wohl nicht allzu sehr beschweren.

9.           Was muss sich dringend ändern, damit Berlin lebenswert bleibt?

Was sich meiner Meinung nach ändern muss, ist die Mentalität der Menschen. Berlin braucht mehr positive Menschen, die eine positivere Einstellung haben. Ich wünschte, jeder würde ein bisschen mehr für das Wohlergehen der Stadt tun.

10.         Ihr Tipp an Unentschlossene: Nach Berlin ziehen oder es lieber bleiben lassen?

Ich bin ein großer Fan der Stadt, also werde ich natürlich immer dafür werben, dass Leute hierher ziehen. Ich bin so stolz auf das, was wir zu bieten haben. Es gibt so viel Kultur, Geschichte, Gastronomie, Kunst ... Es ist erstklassig und steht Großstädten wie New York und London in nichts nach. Berlin hat so viel zu bieten.

11.         Cooler als Berlin ist nur noch …

Ein Zwischenstopp auf dem Mond auf dem Weg zum Mars.