Potsdam - Es kommt nicht allzu häufig vor, dass ein Geschäftsführer seinem Aufsichtsratsvorsitzenden öffentlich widerspricht. Doch am Mittwoch war es so weit. Dass sich Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck nun für eine längere Nachtruhe am neuen Schönefelder Flughafen einsetzt, sei „schon eine Nummer“, sagte der BER-Technikchef Horst Amann in der Berliner Industrie- und Handelskammer.

Er warnte davor, das festgelegte und von null bis fünf Uhr geltende Nachtflugverbot auszuweiten – auf die Randzeiten von 22 bis 0 sowie von 5 bis 6 Uhr. An der Möglichkeit, dann fliegen zu dürfen, sollte „nicht gerüttelt werden“, so der derzeit einzige Geschäftsführer der Flughafengesellschaft FBB, deren Aufsichtsratschef der SPD-Politiker Platzeck ist.

Für sein Plädoyer nannte Amann vor allem diesen Grund: Die Randzeiten seien „exorbitant wichtig und für einen global operierenden Flughafen ein Muss. Das sind ganz wichtige Stunden, wenn man weltweit unterwegs ist.“ Aus diesem Grund werde die Flughafengesellschaft keinen Antrag stellen, die jetzige Nachtflugregelung zu verändern.

„Wir wollen ein guter Nachbar sein“, sagte Horst Amann mit Blick auf die Flughafenanwohner. Das sei der BER vor allem dann, wenn er dazu führe, dass sich im Umfeld Firmen ansiedeln und Arbeitsplätze schaffen. „Wir suchen weitere Möglichkeiten, den Lärm zu mindern, zum Beispiel durch andere Startverfahren oder Bahnnutzungskonzepte“, so der Technik-Chef.

Landtag für längere Ruhezeit

Der Brandenburger Landtag hat dessen ungeachtet am Mittwoch mit großer Mehrheit das Volksbegehren für ein erweitertes Nachtflugverbot am neuen Hauptstadtflughafen angenommen. 62 Abgeordnete stimmten zu, es gab 5 Nein-Stimmen und 14 Enthaltungen. Mit diesem Votum im Rücken will die rot-rote Landesregierung mit den beiden anderen Gesellschaftern des Airports – dem Land Berlin und dem Bund – über mehr Nachtruhe am Standort Schönefeld verhandeln. Die Initiatoren des Volksbegehrens streben eine Zeitspanne von 22 Uhr bis 6 Uhr an.

In einer teils hitzigen Debatte begründete Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) noch einmal seinen Kursschwenk bei den Nachtflügen. Auf der Grundlage des ersten erfolgreichen Volksbegehrens in der Geschichte des Landes gehe es jetzt darum, einen sinnvollen Kompromiss zu finden. Der von den Lärmgegnern angestrebte Volksentscheid hätte den Flughafen insgesamt negativ dargestellt und dem Standort Berlin-Brandenburg geschadet. Verhandlungen seien jetzt der beste Weg für die Region. (mit dpa)