Berlin/Wien - Flugzeug, nein danke! Jetzt ist es einfacher geworden, klimafreundlich in die Ferne zu reisen. Seit Sonntag fährt zwischen Berlin und Wien täglich ein Intercity Express (ICE), der für diese Strecke weniger als acht Stunden benötigt.

Ebenfalls zum Fahrplanwechsel wurde die Nachtzugverbindung zwischen der deutschen und der österreichischen Hauptstadt reaktiviert – mit Wagen von Berlin nach Budapest in Ungarn sowie über Krakau nach Przemysl in Polen nahe der Grenze zur Ukraine. Am Montag empfingen Nachtzugaktivisten den ersten Nightjet NJ 456 – großer Bahnhof im Hauptbahnhof.

Politisches Signal

Wegen des Warnstreiks bei der Bahn mussten sie knapp zwei Stunden länger warten, berichtete Joachim Holstein, der mit seinen Mitstreitern an Gleis 14 stand. Erst gegen 11 Uhr traf die bunte Wagenkombination ein. Trotzdem war die Freude groß, dass der traditionsreiche „Metropol“ ein Jahr nach seiner Einstellung einen Nachfolger bekommen hat – dank des Engagements der beteiligten Bahnen.

„Dieser Zug ist ein politisches Signal in Sachen Europa und in Sachen Klima“, so Holstein, der einst bei der DB Nachtzüge begleitet hatte. „Zumal in Katowice, das an einer der Strecken liegt, gerade die Klimakonferenz COP24 stattfindet und festgestellt wurde, dass der Kohlendioxidausstoß 2017 und 2018 nicht gesunken, sondern gestiegen ist. Mit dem Zug gibt es endlich wieder eine Alternative zum Flugzeug – vor allem zu den Abend- und Frühflügen.“

Tickets ab 29 Euro

Der neue Nightjet, eine Marke der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), fährt laut Plan abends um 18.40 Uhr im Berliner Hauptbahnhof ab. Der Zugteil nach Wien (Ankunft 7 Uhr) besteht aus einem Schlaf-, einem Liege- und einem Sitzwagen. Tickets gibt es ab 29 Euro pro Weg. Nach Budapest (Ankunft 8.35 Uhr) setzt die ungarische Bahn MÁV ebenfalls einen Schlaf-, einen Liege- und einen Sitzwagen ein.

Nach Przemysl in Südpolen, wo der neue Nachtzug um 8.57 Uhr eintreffen soll, steuert die polnische PKP zwei Sitz- sowie einen Schlafwagen bei. Dem Vernehmen nach wird ausgelotet, ob in Zukunft auch die ukrainische Bahn UZ einen Schlafwagen mitschicken könnte – von Berlin nach Lwiw (Lemberg) und Kiew.

„Bei der ersten Fahrt nach Berlin waren der Schlaf- und Liegewagen aus Wien ausgebucht“, so Holstein. „Auch der erste Schlafwagen nach Wien war voll.“ Die polnischen Wagen waren fast leer – für sie war bis vor kurzem keine Buchung möglich.

„Internationale Nachtzüge sind ein komplexes Unterfangen. Sie haben nur dann Erfolg, wenn sich alle Beteiligten engagieren“, sagte der ÖBB-Fernverkehrschef Kurt Bauer. Auch die Politik müsse mitziehen. So sei es ein Unding, dass für Nachtzugfahrkarten im Gegensatz zu Flugtickets Mehrwertsteuer fällig wird – in Deutschland sind es 19 Prozent.