Berlin - Warum muss Liebe immer nur durch den Magen gehen, am Fest der Liebe? Warum muss man alle Jahre wieder irgendwo rumsitzen und essen oder trinken, um das Gefühl zu haben, es sich gerade so richtig gut gehen zu lassen? Und warum fragt man sich das eigentlich immer erst hinterher, wenn man pappsatt und verkatert ist? Unsere Redakteurin begab sich auf die Suche nach einer Möglichkeit, diesen negativen nachweihnachtlichen Gefühlen offensiv und kalorienneutral zu begegnen. Sie ließ sich auf zwei interessant klingende Wellness-Angebote ein.

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Es gibt vermutlich nicht viele Orte in dieser Stadt, an denen so oft so laut gelacht wird wie in dem Fußpflegesalon an der Würzburger Straße. Das hat etwas mit den rund 800 Mitarbeitern zu tun, die sich hier in sechs Fuß- und zwei Handtanks tummeln. Putzmunter sind sie und nimmersatt. Auch ich muss auf der Stelle losjohlen, als ich meine Füße in das handwarme Wasser sinken lasse. Blitzschnell sind sie da: 120 rötliche Saugbarben, zwischen zwei und drei Zentimeter groß. Sie stürzen sich auf das, was Fußpflegerin Elena bei ihrer gewissenhaften Behandlung mit den Schleifwerkzeugen noch übrig gelassen hat: kleine Hautschüppchen. Mmmh, lecker! Auf die stehen die Fische und umschwärmen sofort Zehen, Ballen und Knöchel. Man nennt sie auch Knabberfische. Zähne haben sie zum Glück keine. Und wenn, dann nur ganz kleine. Eigentlich ist das Gefühl ganz angenehm, man braucht zwei, drei Minuten, dann hat man sich an das kalte Gepinsel gewöhnt. Während ich so sitze und es um mich herum so freundlich plätschert, erzählt mir Andreas Heine, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit beim Doctor-Fish-Spa, alles, was ich über die Fischchen wissen möchte. Und das ein oder andere, was ich vielleicht besser nicht gewusst hätte. Zum Beispiel, dass die Mitglieder der niedlichen kleinen Putztruppe allesamt minderjährig, das heißt, noch nicht geschlechtsreif sind. Denn wären sie schon fortpflanzungsfähig, könnte es passieren, dass die Männchen den eiertragenden Weibchen die Bäuche aufschlitzen um an die leckeren Proteine zu kommen. „Tja, so ist das in der Natur, ganz normal“, sagt Herr Heine trocken.

Die Fische kommen von einem Züchter und wenn sie geschlechtsreif werden, kriegt der sie wieder und tauscht sie gegen Kinderfische aus. Ein Fisch kostet zwischen 3,50 und 5 Euro. Die Tiere bekommen morgens und abends zusätzlich Futter, denn allein von Füßen werden sie nicht satt.

Blitzsauber und pistaziengrün ist der Salon. Man sitzt bequem auf weißem Leder. Und auch die Fische scheinen sich ganz wohl zu fühlen, zumindest sind sie von einer sprichwörtlichen Munterkeit. Der Amtstierarzt schaue regelmäßig vorbei und bestätige das. Die Becken sind großzügig dimensioniert: Jedes fasst 500 Liter. Und darf man Herrn Heine glauben, dann lag die größte Herausforderung in der komplizierten Technik, die es ermöglicht, nach jedem Kunden das Wasser zu erneuern, ohne die Fische dabei unter Stress zu setzen. Apropos Stress: Der ist weggeknabbert und weggeblubbert nach zwanzig Minuten im Becken. Elena kommt, trocknet mir die Füße ab und ich darf meine samtweichen Zehen befühlen.

Jetzt, wo die Fische erst einmal satt scheinen, habe ich Hunger. Dem widerstehe ich tapfer und kaufe mir beim Umsteigen am Potsdamer Platz einen Wellnessdrink mit Algen und Weizengras, der schmeckt wie flüssige Wiese.

Am Monbijouplatz werde ich schon erwartet. Auf mein Klingeln wird geöffnet. Alles ist orchideen-pink und schiefergrau, Sphärenklänge perlen aus unsichtbaren Boxen. Die asiatisch aussehende Dame am Empfang des Yi-Spa, ebenfalls in Orchideenpink, legt mir einen hübsch gestalteten Fragebogen zu meinen Gesundheitsrisiken in die Hand. Ich kann alles mit Nein beantworten. Bei der Frage, wie ich meine Massage wünsche, – leicht, mittel, oder kräftig – kreuze ich Letzteres an. Ein Fehler, wie sich bald herausstellen soll. Der Raum ist hoch, gedimmmtes Licht dringt durch tellergroße Öffnungen in der Wand. Und in der Mitte, etwas erhöht, steht wie ein Altar indirekt leuchtend die Massageliege. Schon bald liege ich darauf und die Orchideendame schiebt mir mit Nachdruck ihre gut geölten Ellenbogen (?) die Wirbelsäule entlang. Oh ja: Das tut gut, versuche ich zu denken und atme den Schmerz weg. Eine gute Stunde machen wir beide so weiter. Noch immer haben wir kein Wort miteinander gewechselt. Dann sagt sie doch noch was: „Bitte Aufstehen“. Und jetzt kommt das, wofür ich eigentlich hergekommen bin: ein Schokoladenwrap. Es ist gewissermaßen die eigene Konfektwerdung unter Umgehung der Dickwerdung. Dafür werde ich von Kopf bis Fuß mit warmer Schokolade eingeschmiert und anschließend in Frischhaltefolie gewickelt. Dann deckt mich die freundliche Masseurin mit drei Handtüchern zu und lässt mich 50 Minuten gut durchziehen. Ein Piano plingt, Elektrobeats rascheln. Mein Geist taucht tief in Schokolade. Ein Ohmmm summt durch den Körper. Dann schlafe ich ein. Mit einem Ruck werde ich wach und habe kurzzeitig Orientierungsprobleme. Meine Hände sind gefesselt, alles so glitschig um mich herum, und ein bisschen kalt wird mir auch. Wo bin ich? Und: Wie kann ich mich am Hals kratzen? Aber die nette Frau ist weg. So harre ich die restlichen Minuten leicht fröstelnd aus, bis sich endlich die Tür öffnet und meine Erlöserin herein weht. In der Dusche habe ich dann endlich die Gelegenheit, mal von der Schokolade zu kosten. Ist die lecker! Ich bin ein Konfekt in 80-prozentigen Kakao, Milch und Honig gehüllt!

Doctor Fish Spa: Würzburger Straße 2 in Charlottenburg, Di–Sa 12– 20 Uhr, Tel. 23 62 57 00, Pediküre mit Fischen ab 42,50 Euro. www.doctor-fish-spa.de

Yi-Spa: Monbijouplatz 3 in Mitte, Tel. 28 87 96 65, Massage ab 65 Euro, Bodywrap ab 76 Euro, Spezialangebote erfragen. www.yi-spa.com