Berlin liegt nicht am Meer, das ist schade, aber wir können’s nicht ändern. „Vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße“, das war schon vor knapp 100 Jahren Tucholskys Ideal einer Wohnsituation, wohl wissend um die unmögliche Vereinigung von Natur und städtischen Vorzügen.

Doch ganz verzichten muss man nicht auf die schöne Illusion. Man kann ihr zumindest ein bisschen nahekommen in Berliner Restaurants, die auf ihren Terrassen den Blick freigeben auf Flüsse, Seen oder Teiche. Wir stellen schöne Lokale vor, wo Sie nah am Wasser speisen und trinken können. Fast wie am Meer – und ohne freche Möwen.


Fischerhütte am Schlachtensee

Mit dem Gründungsdatum 1723 kann sich die Fischerhütte guten Gewissens als traditionsreiches Gasthaus bezeichnen. An den Ufern des schönen, von Wald umgebenen Schlachtensees wartet ein großzügiges Restaurant mit Sonnenterrasse und weitläufigem Biergarten. Zu den Klassikern auf der Speisekarte zählen das Wiener Schnitzel und Backhendl, bei heißen Temperaturen ist aber vielleicht doch eher die Sommerkarte mit Gurkenkaltschale oder Rindercarpaccio mit Steinpilzen das Richtige.

Platz ist reichlich, die Terrasse bietet Raum für 150 bis 200 Gäste. Trotzdem empfiehlt es sich, anzurufen und zu reservieren, wenn man sich den Wasserblick sichern will. Denn bei sonnigem Wetter ist die Terrasse sehr gefragt, schließlich ist die Lage unschlagbar. Wochentags ist es ruhiger und entspannter, nach dem Essen empfiehlt sich ein Spaziergang um den See – und vielleicht ja auch ein kühles Bad.

Fischerhüttenstraße 136, Zehlendorf, Restaurant täglich ab 12 Uhr, Biergarten ab 9 Uhr, Tel.: 030 80498310


Café am Neuen See

Die Kombination aus Restaurant und Biergarten hat auch eine andere Berliner Traditionsadresse zu bieten: das Café am Neuen See. Wie ein Landhaus mitten in der Großstadt steht das Restaurant unter großen Bäumen direkt am Neuen See im Tiergarten. Der Biergarten schließt sich direkt an. Eine unschlagbare Kombination, schon seit der Gründung im Jahr 1896.

Ob Frühstück mit Avocado-Sandwiches, Hähnchen vom Grill, Flammkuchen oder Pizza, die Speisekarte ist breit gefächert, sodass jeder etwas findet. Wenn dann noch Sonne und Aperol dazukommen, ist das Urlaubsfeeling perfekt. Reservierungen für das Restaurant kann man online und telefonisch tätigen (030-2544 93 21). Der besondere Clou des Restaurants ist der hauseigene Bootsverleih: Für 12 Euro pro Stunde schippert man über den See. Hier gilt das Motto: Wer zuerst kommt, rudert zuerst.

Lichtensteinallee 2, Tiergarten, Restaurant täglich ab 9 Uhr, Biergarten Mo.–Fr. ab 12 Uhr, Sa./So. ab 11 Uhr, Tel.: 030 25449321


Restaurant Schönbrunn

Der Volkspark Friedrichshain ist Berlins ältester Park und eine beliebte grüne Oase mitten in der Stadt – dank großer Wiesen, Beachvolleyballfeldern, Spielplätzen und wässriger Auflockerungen zwischendrin. Ob Märchenbrunnen, Bachlauf oder Schwanenteich, kühles Nass gibt es immer wieder auf dem Spaziergang über das knapp 50 Hektar große Areal, das 1846 als erste kommunale Grünanlage Berlins entstand.

dpa/Annette Riedl
Ein Klassiker: Wiener Schnitzel im Restaurant Schönbrunn

Am Teich wiederum kehren Spaziergänger (und der ein oder andere Berliner Promi) im Schönbrunn ein, einer besonders wegen ihrer Sommerterrasse beliebten Gaststätte. Schon zum Frühstück wird es hier schnell voll, schließlich ist die österreichisch-mediterrane Küche (Highlight: Wiener Schnitzel) wirklich lecker. Hier kommen also gute Lage und ambitioniertes Essen zusammen, was man wahrlich nicht von jeder Berliner Wasser-Lokalität behaupten kann.

Am Schwanenteich, Volkspark Friedrichshain, Restaurant Mi./Do./Fr. ab 12 Uhr, Sa./So. ab 10 Uhr, Biergarten Mo.–Fr. ab 14 Uhr, Sa. ab 13 Uhr, So. ab 12 Uhr, Reservierung online


Rivo Spreeterrassen

„Unglaublich schöner Blick aufs Wasser“, „toller Ausblick auf die Spree und die Oberbaumbrücke“, „kleine, aber feine Karte“ – dies sind nur einige Auszüge aus den überwiegend sehr guten Google-Bewertungen für das Restaurant Rivo. Tatsächlich diniert man hier direkt auf Augenhöhe mit dem Hauptstadtfluss, serviert wird moderne mediterrane Küche mit orientalischen Einflüssen.

Los geht es erst am frühen Abend, dann aber elegant und extravagant. Die Preise sind, gemessen an der Lage, akzeptabel (Schnitzel 23 Euro, Dorade 26 Euro). Das Rivo ist noch relativ neu in der Berliner Restaurantlandschaft, residiert aber an einer bekannten Adresse: Viele werden noch seinen Vorgänger kennen, das RioGrande.

May-Ayim-Ufer 9, Kreuzberg, täglich ab 18 Uhr, Tel.: 030 208477440


Freischwimmer

Der Freischwimmer ist nun wahrlich kein Unbekannter mehr, seit gut 20 Jahren gehört das Restaurant zu den besonderen Orten Berlins. Auf dem Steg direkt am Wasser gelegen kann man hier in urbaner Atmosphäre eine Auszeit vom Großstadttrubel nehmen.

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Am Kreuzberger Ufer wird es besonders in den Abendstunden romantisch.

Auf der Karte stehen Tafelspitz, Pulpo und Trüffelpasta, man kann es aber auch mit Austern und Kaviar krachen lassen. Dafür braucht’s zwar das nötige Kleingeld, aber die passende Stimmung am Flutgraben gibt’s dann gratis dazu.

Vor dem Schlesischen Tor 2, Kreuzberg, Mo.–Fr. ab 12 Uhr, Sa./So. ab 10 Uhr, Tel.: 030 61074309


Grill Royal

„Mit dem Grill Royal fand die Schickeria in Berlin ein Zuhause“, schreiben Denis Scheck and Anne-Dore Krohn in ihrem kürzlich erschienenen Buch „Hungrig auf Berlin“. Die Literaturkritiker bescheinigen dem Grill aber nicht nur den „unverhüllten Willen zum Eigennutz“, sondern auch einer der authentischsten Orte der Stadt zu sein. „Der Grill Royal ist seiner Speisekarte nach eines der männlichsten Restaurants, das wir kennen“, heißt es in dem unterhaltsamen Büchlein in Anspielung auf Gerichte wie das T-Bone-Steak vom Omaha Natural Angus, das American Porterhouse oder Filet vom Kobe Beef.

Stattliche Preise sind im Promi-Lokal inbegriffen, dafür sei etwa die Plateau de fruits des mer mit Austern, Königskrabbe, Grünschalenmuschel, Rotgarnele, Nordseekrabben, Oktopus, kanadischem Hummer und Tristan-Languste zu 190 Euro für zwei Personen „außerhalb von Deauville/Trouville schwerlich in dieser Qualität erhältlich“, schreiben Krohn und Scheck, die sich schon seit Jahren oft und quer durch die ganze Stadt essen. Der Grill zähle definitiv zu den Berliner Restaurants, „in denen man mal gewesen sein muss“. Ach ja, Wasser gibt’s auch: Der Flussblick ist an der Friedrichstraße inklusive.

Friedrichstraße 105b, Mitte, täglich ab 17 Uhr, Tel.: 030 28879288


Hafenküche

Um wieder etwas bodenständiger zu werden, schippern wir zehn Kilometer flussaufwärts bis in die schöne Rummelsburger Bucht. Das dort beheimatete Restaurant Hafenküche ist auch unter neuer Bewirtung perfekt geblieben, schrieb unsere Gastro-Kritikerin Tina Hüttl erst kürzlich: „Es gibt Kantinenküche, ohne Convenience und mit Anspruch, mal eine selbstgewurstete Currywurst vom Apfelschwein mit Pommes, mal eine Minestrone mit Pesto, stets für den Preis von 7,50 Euro.“

Malte Jäger
Carpaccio von der Fjordforelle: Sommerlich leicht präsentiert sich das gesamte Ambiente in der Hafenküche.

Spektakulär ist nicht nur die Sicht auf die Rummelsburger Bucht. Hier kommt man zwischen Booten und Bootsstegen tatsächlich gedanklich aus der Großstadt raus, kann sich ein Boot mieten, am Wasser grillen, sich eine Picknickbox packen lassen und Berlin für ein paar Stunden entfliehen. Das haben wir schließlich alle mal nötig.

Zur Alten Flussbadeanstalt 5, Rummelsburg, Kantine Mo.–Fr. 9–16 Uhr, Restaurant Mi.–Fr. ab 18 Uhr, Sa. ab 12 Uhr, Tel.: 030 42219926


Café Max

Nun aber mal zu einer ganz anderen Ecke der Stadt, einer Gegend, in der es noch Ruderklubs und Segelklubs gibt, mondän und maritim zugleich. Gemeint ist Wannsee, wo man natürlich auch mit Wasserblick essen kann.

Max-Liebermann-Gesellschaft
Maritim, mondän, malerisch: Blick auf den Steg der Liebermann-Villa

Unsere Empfehlung: Das Café Max in der wunderbaren Liebermann-Villa, wo man sich erst die Werke des Berliner Impressionisten ansehen und anschließend im Garten des Sommerhauses von Max Liebermann am Wannsee spazieren kann, in dem der Maler etliche Motive für seine Werke fand. Wer eine Eintrittskarte für die Villa hat, kann auch das Café Max besuchen. Auf der Terrasse und im ehemaligen Speisezimmer der Familie Liebermann gibt es während der Öffnungszeiten Getränke, Kuchen, Torte und Quiche.

Colomierstraße 3, Wannsee, täglich außer dienstags 10–18 Uhr, Tickets online


Restaurantschiff Van Loon

Terrassen mit Seeblick sind das eine, aber man kann in Berlin auch auf Schiffen speisen. Auf der Van Loon etwa, wo es Räucherfisch und frittierte Meeresfrüchte auf dem Oberdeck mit Panoramablick über den Landwehrkanal gibt.

Das am Urbanhafen verankerte Restaurantschiff bietet knusprig gebackene Fish, Chips & Kartoffeldippers, einen großen Hafenburger, aber auch vegetarische Bowls. Am Wochenende gibt es ein Frühstücksbuffet, und für den kleinen Hunger beim Uferspaziergang empfiehlt sich ein Abstecher am Hafenkiosk.

Carl-Herz-Ufer 5, Kreuzberg, Mo.–Fr. ab 16 Uhr, Sa./So. ab 10 Uhr, Kiosk täglich ab 11 Uhr


Café am Engelbecken

Dass man sich mitten in der Stadt befindet, ist am Engelbecken schnell vergessen. Früher floss hier mal der Luisenstädtische Kanal, der die Spree mit dem Landwehrkanal verband. Doch im Jahr 1926 wurde der Kanal zugeschüttet – und nur das Engelbecken blieb und wurde in eine Gartenanlage umgestaltet.

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Kirche, Wasser, Gastronomie: Am Engelbecken kann man sich im Sommer eine Auszeit nehmen.

Verweilen könnte man hier stundenlang, und dass man währenddessen weder verhungern noch verdursten muss, dafür sorgt das Café am Engelbecken. Das schlichte Park-Café mit großer Terrasse liegt direkt am Wasser und hat Frühstück, kleine Gerichte und Cocktails auf der Karte. Was will man mehr?

Michaelkirchplatz, Mitte, täglich 10–24 Uhr


Restaurant Rübezahl

Wer am Müggelsee unterwegs ist, der kommt am Restaurant Rübezahl kaum vorbei. Das traditionsreiche Lokal ist sehr großzügig, sein Biergarten mit etlichen, stets gut gefüllten Plätzen schmiegt sich an die bewaldeten Ufer des mit mehr als sieben Quadratkilometern Wasserfläche größten Sees der Stadt.

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Wer nach der Radtour am Müggelsee einkehren will, der landet oft unweigerlich bei Rübezahl.

Das Rübezahl lebt von dieser Lage mitten im Landschaftsschutzgebiet. Ganzjährig werden hier Burger, Curry- und Bratwurst, Fischbrötchen und Räucherfisch angeboten. Ein weiteres Highlight ist der Schlemmerling, eine Art Flammkuchen, der mit saisonalen Zutaten belegt wird. Das Hausbier heißt hier noch Molle, die vorbeikommenden Radfahrer greifen gern zu und einen Abenteuerspielplatz für die Kids gibt es auch.

Müggelheimer Damm 143, Köpenick, Di.–So. ab 10 Uhr


Tegeler Seeterrassen

Auch im Norden Berlins muss man nicht auf Wasser verzichten. Eine Traditionsadresse sind die Tegeler Seeterrassen, zu denen wir einen Google-Rezensenten zitieren möchten, der erst kürzlich dort speiste: „Man sollte sich auf keinen Fall vom 70er-Jahre-Charme des Gebäudes abschrecken lassen. Wir waren bei bestem Frühlingswetter auf der Terrasse, es war sehr gemütlich und der Service professionell und freundlich.“

Zum Essen hatte der Gast Schnitzel und Spargel bestellt, „sehr schmackhaft und gut angerichtet, die Portionsgröße dem Preis angemessen“, so sein Fazit. In diesem Sinne, angestaubtes Flair ist ja auch irgendwie hip und der Blick auf den Tegeler See kommt eh nie aus der Mode.

Wilkestraße 1, Tegel, täglich ab 12 Uhr, Sonntag ab 10 Uhr, Tel.: 030 4338001


Milchhäuschen

Wer in Weißensee wohnt, der weiß es aus leidgeprüfter Erfahrung: Gastronomisch gesehen ist der Pankower Ortsteil immer noch größtenteils Wüste. Da muss man sich dann eben doch über das Milchhäuschen freuen, das jetzt vielleicht nicht die lukullischsten Hochgenüsse bietet, aber immerhin einen tollen Blick auf den Weißen See mit seinem Strandbad und der beeindruckenden Mittelfontäne.

Dass die Besucher ins Traditionslokal am Ufer strömen wie eh und je, liegt natürlich an dieser Aussicht und an mangelnden Alternativen an dem kleinen See, der zuletzt gar keine guten Schlagzeilen machte. Hoffen wir auf Besserung und nehmen in der einstigen Milchverkaufsstelle, die dem heutigen Restaurant ihren Namen gab, einen Eisbecher.

Parkstraße 33a, Weißensee, Mi.–So. 12–20 Uhr, Tel.: 030 9271144