Manchmal kommt es eben anders, als man denkt – zum Glück. Im vergangenen Jahr haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) besser gewirtschaftet als erwartet. Das geht aus der nun fertig gestellten Bilanz hervor, die BVG-Chefin Sigrid Evelyn Nikutta am Montag im Aufsichtsrat vorgestellt hat. Wichtige Zielzahlen wurden verfehlt – im positiven Sinn. „Wir haben ein gutes Ergebnis erarbeitet. Daran haben alle Beschäftigten ihren Anteil“, sagte Nikutta. Allerdings sind die Schulden immer noch gewaltig – und zum Teil hat die Erfolgsbilanz auch damit zu tun, dass die BVG Investitionen aufgeschoben hat.

„Strikte Ausgabendisziplin, gutes Kreditmanagement und niedrige Zinssätze, haben zu der Bilanz beigetragen“, berichtete die energische 44-Jährige. Besonders stolz ist sie auf das operative Ergebnis des landeseigenen Konzerns. Diese Zahl gibt an, wie hoch beim Fahrbetrieb die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben ist. „Sie zeigt, dass wir in unserem Kerngeschäft besser geworden sind“, sagte Nikutta. 2011 lag der Wert mit fast 37 Millionen Euro deutlich im roten Bereich. Im vergangenen Jahr schrumpfte dieser Verlust auf acht Millionen Euro – nur rund halb so viel wie erwartet.

Vor allem die Fahrgäste haben an dem Trend ihren Anteil. Zwar ist ihre Zahl im vergangenen Jahr so gut wie nicht gestiegen. Aber wegen einer Tariferhöhung mussten sie rund 22 Millionen Euro zusätzlich zahlen – insgesamt landete in der Kasse fast 570 Millionen Euro Fahrgeld.

Investitionen wurden verschoben

Das gesamte Defizit, das unter anderem auch Zinszahlungen berücksichtigt, belief sich auf 57,7 Millionen Euro – immerhin 13,8 Millionen Euro weniger als im Jahr davor.

Die Verschuldung hat sich ebenfalls besser als erwartet entwickelt. Ursprünglich hatten die Finanzplaner befürchtet, dass sie auf 903 Millionen Euro steigt. Stattdessen stand die BVG Ende des vergangenen Jahres mit knapp 810 Millionen Euro bei Banken in der Kreide, rund 15 Millionen mehr als im Jahr davor.

Nach Information der Berliner Zeitung trug ein bestimmter Faktor dazu bei, dass die BVG nicht so viele neue Kredite aufnehmen musste: Im vergangenen Jahr hat sie mehr als 90 Millionen Euro weniger investiert als geplant. Viele Bauvorhaben fanden nicht statt – unter anderem, weil sich Genehmigungen verzögerten. Verschoben wurden unter anderem Projekte, bei denen es um die Grundinstandsetzung von U- und Straßenbahnstrecken ging – dadurch fielen Investitionen von insgesamt mehr als 45 Millionen Euro nicht an. Verschoben wurde auch die Grundinstandsetzung von U-Bahnhöfen mit einem Gesamtvolumen von fast zehn Millionen Euro.

Zudem spart die BVG beim Sachaufwand. Die Ausgaben für Instandsetzungen und Reparaturen sanken von 74 auf rund 67 Millionen Euro.

Nur noch bei Bedarf in die Knie

Von einem Kaputtsparen wie früher bei der S-Bahn könne jedoch nicht die Rede sein, hieß es. „Wir investieren kontinuierlich große Summen“, sagte Nikutta, die seit Oktober 2010 auf dem Chefstuhl an der Holzmarktstraße sitzt. Die promovierte Psychologin machte aber deutlich, dass die BVG weiterhin nichts zu verschenken hat. Zusätzliche Bus- und Bahnfahrten, wie sie Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) für nötig hält, seien nur dann möglich, wenn der Senat seine Zahlungen erhöht. „Wir würden uns freuen, wenn wir unser Angebot aufstocken könnten“, so die Chefin.

Die BVG halte auch daran fest, nur noch Busse mit Standardausstattung „ohne Berliner Sonderlocken“ (Nikutta) zu erwerben. So senken sich neue Busse nicht mehr automatisch an jeder Haltestelle ab. Das „Kneeling“, das beim Ein- und Aussteigen hilft, gibt es generell nur noch bei Bedarf – auf Knopfdruck.