Berlin - Es gibt schönere Berufe als Fahrkarten zu kontrollieren. Dennoch war das Interesse groß, als die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) vor kurzem 25 Stellen für Kontrolleure ausschrieben – ein Zeichen dafür, dass die Lage auf dem Arbeitsmarkt weiterhin angespannt ist. „263 Bewerbungen gingen bei uns ein“, sagte die BVG-Sprecherin Petra Reetz. „Die ausgewählten Bewerber werden nun nach Einarbeitung und Schulung zum 1. Oktober ihren Dienst aufnehmen.“ Dadurch steigt die Zahl der Mitarbeiter, die in Bussen, Bahnen und auf Bahnhöfen im Einsatz sind, weiter. Eine Strategie, die sich auszahlt, sagen Gewerkschafter. Denn die Kriminalität ist deutlich gesunken.

Erstmals seit Langem hat die BVG nicht intern, sondern auf dem Arbeitsmarkt nach neuen Kontrolleuren gesucht. Auch werden die „Fahrausweisprüfer“ nicht von Sicherheitsfirmen angestellt, sondern von der BVG – zu Tarifbedingungen. „Das finden wir vernünftig“, sagte Frank Bäsler von der Gewerkschaft Verdi. Denn die neuen Kollegen würden nicht nur ordentlich bezahlt, sondern auch gut ausgebildet.

Anzahl der Gewalttaten geht zurück

Durch die Einstellungen ist die Zahl der BVG-Kontrolleure auf 40 gestiegen. Die BVG hat auch ihr Sicherheitspersonal aufgestockt – seit 2011 um 63 auf 250 Beschäftigte. Inzwischen hat sie täglich 112 eigene Sicherheitskräfte im Einsatz, hinzu kommen 86 Mitarbeiter der Firma Wisag. Seit Januar stehen auf zehn U-Bahnhöfen BVG-Serviceleute als Ansprechpartner zur Verfügung.

Allerdings: Erst seit zwei Jahren steigt die Zahl der Service- und Sicherheitsmitarbeiter bei der BVG wieder. In den Jahren davor waren dort viele Stellen eingespart worden. Dass die Kriminalität gesunken ist, habe vor allem damit zu tun, dass mehr Videokameras Bahnhöfe und Fahrzeuge überwachen, so die BVG.

Der positive Trend in der Kriminalitätsstatistik setzt sich in diesem Jahr fort. Hatte die Polizei im BVG-Bereich von Januar bis Juli 2012 bei den neun häufigsten Delikten 5 388 Taten registriert, waren es im selben Zeitraum dieses Jahres 5 055. So sank die Zahl der Körperverletzungen von 1 401 auf 1 311, die Zahl der Sachbeschädigungen von 1 334 auf 1 217. Die Vandalismusschäden gingen von 2,3 Millionen auf 2,2 Millionen Euro zurück.

Trotzdem sind die Gewerkschaften nicht zufrieden. So habe der Senat das Wahlversprechen, deutlich mehr Polizeibeamte im Nahverkehr einzusetzen, nicht eingelöst. Von 200 zusätzlichen Polizisten war die Rede. „Doch es sind noch nicht alle ausgebildet“, sagte Arne Wabnitz von der Gewerkschaft der Polizei. Videokameras geben nur eine trügerische Sicherheit, so Dieter Kagelmacher von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). „Sie können keine Straftaten verhindern, sie sehen nur zu.“ Ohne zusätzliches Personal gehe es nicht. „Denn die Hemmschwelle ist niedrig. Bei dem kleinsten Vorfall kochen die Aggressionen sofort hoch.“