Was sich lange abzeichnete, wurde jetzt besiegelt. Pendler, Ausflügler und alle anderen, die in Berlin und Brandenburg Regionalzüge nutzen, können sich auf eine Ausweitung des Angebots freuen – allerdings größtenteils erst ab 2022. Die Zeit, in der Zugfahrten abbestellt wurden, sei vorbei, sagte Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD), als sie am Donnerstag in Potsdam den Landesnahverkehrsplan 2018 vorstellte. „Jetzt geht es um neue Linien, bessere Infrastruktur und mehr Züge.“

Obwohl seit Jahrzehnten immer mehr Menschen mit Regionalzügen fahren, hielt der Ausbau des Zugangebots nicht Schritt. Die Bahnplaner im Brandenburger Infrastrukturministerium, deren Arbeit auch Berlin betrifft, kochten auf kleiner Flamme.

Jährliche Verkehrsleistung soll um zehn Millionen Kilometer steigen

Hauptgrund war, dass die Regionalisierungsmittel, die der Bund den Ländern für den Regionalzugbetrieb überweist, nur für kleinere Erweiterungen reichten. In Brandenburg werden damit nicht nur Zugfahrten bezahlt, ein Teil kommt auch anderen Teilen des Nahverkehrs zugute. Lange war ungewiss, wie viel Geld es in Zukunft gibt. Und immer wieder wurde der politische Kurs diskuriert: Soll das Berliner Umland im Vordergrund stehen, oder haben entlegene Gegenden wie die Prignitz Priorität? Selbst Bürger waren sich darüber uneins, was sie wollten. So gibt es in Falkensee bis heute Streit darüber, ob die S-Bahn wie bis 1961 in diesen Teil des Havellandes fahren sollte – oder ob der Regionalverkehr reicht.

Seit 2016 haben die Planer in Potsdam nun Klarheit, wie es mit den Regionalisierungsmitteln für Brandenburg weitergeht. Auch der Druck von Fahrgastverbänden wie Pro Bahn sowie von Parteien wie SPD und Grünen hat dazu beigetragen, dass sich die Landesregierung bewegte. 2017 legten Regional- und S-Bahn-Züge in Brandenburg 35 Millionen Kilometer zurück – diese jährliche Verkehrsleistung soll in zehn Jahren um zehn Millionen Kilometer steigen, bekräftigte Schneider jetzt.

Dreimal stündlich nach Frankfurt

Wie berichtet werden bereits von diesem und dem nächsten Jahr an mehr sowie längere Züge eingesetzt, etwa zwischen Berlin und Nauen sowie Berlin und Bad Belzig. Die größten Verbesserungen stehen im Dezember 2022 an. Dann werden die Verträge für die Linien im Netz Elbe-Spree neu vergeben. Während der Hauptverkehrszeit wird es zwischen Frankfurt (Oder), Berlin und Brandenburg an der Havel drei statt zwei Fahrten pro Stunde geben. Zur Stoßzeit ist auch zwischen Berlin und Lübbenau ein Halbstundentakt geplant.

Ebenfalls auf der Liste: Gratis-Internet per WLAN in den Zügen, Echtzeitdaten über die Auslastung der Sitzplätze und Fahrradabteile per App. Nach 2022, wenn weitere Vergaben beendet werden, sollen zwischen Berlin und Rathenow, Berlin und Angermünde sowie Hennigsdorf und Neuruppin auch alle 30 Minuten Regionalzüge fahren. Auf dem Zettel stehen auch mehr S-Bahnen nach Bernau, Hoppegarten/Strausberg und Oranienburg. Streckenverlängerungen könnten zur Sputendorfer Straße in Stahnsdorf, nach Velten und Rangsdorf führen.

Immer noch Streit um Wustermark

Ein Streitpunkt, der westlich Berlins zu Protesten geführt hat, ist dagegen noch nicht ausgeräumt. Umplanungen haben zur Folge, dass sich die Zahl der Verbindungen von Wustermark nach Berlin 2022 auf einen Stundentakt halbiert. „In einem Moderationsverfahren soll ein akzeptabler Kompromiss gefunden werden“, hieß es. Geleitet wird es von Hans Leister, früher Regionalverkehrschef der DB in Potsdam. Mittelfristig sollen die Regionalexpresszüge der Linie RE4, die in Wustermark halten, halbstündlich rollen.

„Der Plan enthält in der Tat eine Reihe von Verbesserungen im Schienenverkehr. Ein Großteil davon wird allerdings erst in vier Jahren umgesetzt. Höchst unbefriedigend“, sagte Michael Jungclaus von den Grünen. Die Landesregierung habe zu spät damit begonnen, auf die massiv steigenden Fahrgastzahlen zu reagieren.