Berlin - Mit Hilfe einer Ausschreibung soll ein Unternehmen gesucht werden, das auf dem Ring und im Südosten Berlins einen besseren S-Bahn-Service bietet. Doch das Verfahren zieht sich hin. Die Frist zur Abgabe der Teilnahmeanträge wurde zum dritten Mal verlängert – diesmal um drei Wochen bis zum 15. Juli. Außerdem gibt es nach Informationen der Berliner Zeitung Streit unter den potenziellen Bewerbern.

Weil sich das Verhältnis zwischen der Deutschen Bahn (DB) und der Bahnindustrie rapide verschlechtert hat, könnte es anders als beabsichtigt doch keine gemeinsamen Bewerbungen geben.

Stattdessen prüft ein großer Fahrzeughersteller dem Vernehmen nach, ob er lieber mit dem französischen Verkehrsunternehmen RATP in das Rennen um die S-Bahn geht. Auch Bombardier verhandelt angeblich mit einem anderen Zugbetreiber.

Es geht um den S-Bahn-Verkehr auf dem Ring sowie auf drei weiteren S-Bahn-Linien. Für diese Strecken wollen Berlin und Brandenburg einen neuen Vertrag vergeben, der von 2017 an 15 Jahre gilt. In der ersten Stufe des Vergabeverfahrens müssen Interessenten ihre Leistungsfähigkeit nachweisen. Nicht nur das: Sie sollten auch erklären, dass sie ihre S-Bahner nach den geltenden Tarifverträgen entlohnen.

Bessere Chancen für Ausländer?

Doch weil Gerichtsurteile und das Europarecht die Anforderungen in Frage stellen, gibt der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg den Bewerbern noch Zeit, ihre Anträge zu prüfen. Folge: Statt am 10. Juni endet die erste Phase erst Mitte Juli.

Auch bei der Bewerberschar kündigen sich Änderungen an. Bisher hieß es, dass sich die DB in unterschiedlichen Konstellationen der Konkurrenz stellen wollte, um ihre Chancen zu verbessern. Unter anderem war geplant, dass DB Regio mit Siemens/Stadler und die S-Bahn GmbH mit Bombardier Anträge einreicht. Doch inzwischen gilt es als offen, ob es dazu kommt.

Die Fahrzeugindustrie ist verstimmt, dass die DB ihre Leistungen öffentlich kritisiert – und revanchiert sich mit Angeboten, die Wartung gelieferter Züge selbst zu übernehmen, weil Betreiber das nicht so gut können. Nun sprechen Hersteller verstärkt mit DB-Konkurrenten über Kooperationen – was die Chancen ausländischer Bahnbetreiber in Berlin verbessern könnte.