Berlin - Hertha ist 125 Jahre alt, 22 Meter lang , 4,80 Meter breit und bietet Platz für 140 Leute. Hertha hält gerade Winterschlaf. Sie liegt in einem Bootsschuppen, an der idyllischen Kyritzer Seenplatte, nur gut eine Autostunde von Berlin entfernt. Vor wenigen Wochen machten sich Bernd Schiphorst, der Aufsichtsratsvorsitzende von Fußball-Bundesligist Hertha BSC, und Finanzchef Ingo Schiller auf, um der alten Dame einen Besuch abzustatten. In Wusterhausen an der Dosse, einem verschlafenen Örtchen mit zahlreichen Sommerfrischlern, ist Hertha bei der Familie von Unternehmer Peter Dentler zu finden. Der betreibt einen Betrieb für Straßenbau und bietet seit vielen Jahren auch Seenrundfahrten an, die am Dentlerschen Grundstück beginnen. Auch mit einem Schiff namens Hertha, das dem Fußballklub im Jahr 1892 seinen Namen gab.

Schiphorst, der seit Jahren auch das Projekt eines Hertha-Museums am Olympiastadion vorantreibt (ein virtuelles Museum gibt es bereits), will den lang gehegten Plan umsetzen, das betagte Boot nach Berlin zurückzuholen. Das könnte dann im günstigsten Fall wieder auf der Spree schippern. Der 120. Geburtstag des Vereins am 25. Juli nächsten Jahres wäre ein idealer Anlass dafür, aber Schiphorst sagt: „Wir haben Zeit. Wir wollen das Schiff, aber nicht um jeden Preis.“

Schlitzohriges Pokern

Denn die Krux an der so schönen Geschichte ist, dass Besitzer Dentler, der den Kahn einst vor dem Verschrotten rettete, einen stolzen Preis verlangt. Von rund 200.000 Euro ist die Rede. Dentler, 74, ein schlitzohriger Mann, weiß um den ideellen Wert des Schiffes für Hertha BSC und seine nunmehr beinahe 29.000 Mitglieder. Er pokert. Der Zuspruch, den Schiphorst mit seinem Rückholplan auf der jüngsten Mitgliederversammlung erfuhr, war riesengroß. Es wurde spontan zu Spendenaktionen aufgerufen, um das symbolträchtige Schiff erwerben zu können. Denn 200.000 Euro kann der Klub für den Kauf nicht aufbringen. Die Verstärkung der Profimannschaft hat Vorrang und der Abbau der Schulden.