Naturdenkmal in Berlin: Ein ganz spezieller Sandhügel in Wedding

Er will so gar nicht in eine Großstadt passen, dieser Sandhügel in Wedding. Die startenden Flugzeuge vom nahen Airport Tegel dröhnen darüber hinweg und hinter dem Hügel erstreckt sich der Parkplatz eines Baumarktes. Die Erhebung selbst ist etwa so groß wie ein halbes Fußballfeld. Ein paar Kiefern und zwei Eichen wachsen oben drauf. Doch dieser Hügel auf dem Gelände des Schul-Umwelt-Zentrums in der Scharnweberstraße 159 ist eine echte Rarität.

Es handelt sich um die letzte innerstädtische eiszeitliche Düne Deutschlands. Mitglieder des Naturschutzbundes (Nabu) kümmern sich seit einiger Zeit darum, sie zu erhalten. Allen voran Christopher Hartl, ein junger blonder Mann aus Hohenschönhausen. Auch an diesem Wochenende ist er mit ein paar Mitstreitern wieder zugange, mit Harken knien sie auf dem Hügel. Sie wollen sie von Pflanzen befreien, die hier nichts zu suchen haben, von Robinien, Fingerhirse, Brombeeren und Giersch, die gern in diesen Breiten wachsen. „Das sind alles standortuntypische Pflanzen“, sagt Hartl. Und die sollen raus. Das ist ein Kampf gegen die Zeit.

Einige dieser fremden Pflanzen bilden schnell ein dichtes Wurzelwerk, andere produzieren viele Samen. Sie verbreiten sich also rasant. Hartl und seine Mitstreiter entfernen diese Pflanzen mitsamt dem Wurzelgeflecht, an dem oft noch Humus hängt. Auch diese Muttererde stört. Eine Binnendüne besteht nun mal im Wesentlichen aus sehr feinem, reinen Sand.

Jedenfalls ist sie am Ende der jüngsten Eiszeit durch viel hergewehten Sand entstanden. Der Humus kam erst nachträglich oder wurde eingebracht, als der Hügel seit den 1950er-Jahren von der Gartenarbeitsschule mitgenutzt und bepflanzt wurde. Jetzt landen fremde Pflanzen in einer großen Schubkarre. Andreas Richter aus Pankow ist freiwillig dabei. „Ich mag Gartenarbeit, habe aber keinen eigenen Garten“, sagt er.

Oben auf der Düne werden die traditionellen anspruchslosen Dünengräser wie Silbergras, Straußgras, Schaf-Schwingel oder Ziegenwolfsmilch gepflegt. Hartl und die Leute seiner Nabu-Bezirksgruppe haben sogar stellenweise kleine Zäune drum herum gebaut. „Auch eine Initialbesamung ist geplant“, sagt Hartl. Dafür sollen dünentypische Pflanzen von den Baumbergen aus Heiligensee herangeschafft werden.

Naturdenkmal seit 1976

Die Sanddüne Wedding mit ihren 3 800 Quadratmetern Fläche gehörte einst zu der Dünenlandschaft rund um die Rehberge. Auch die Hügel im Volkspark Rehberge sind nicht wie sonst für Berliner Erhebungen üblich Trümmerberge, sondern es waren ursprünglich ebenfalls Dünen, die aber mittlerweile voll bepflanzt und bewaldet sind.

Im Jahre 1976 wurde die im Gegensatz dazu noch weitgehend erhaltene „Sanddüne Wedding“ zum Naturdenkmal erklärt. Seit 2002 wird sie zudem durch die Verordnung zum Schutz des Naturdenkmals „Düne Wedding“ geschützt. Dort ist der Schutz des nährstoffarmen, trockenen Sandes, also der dünentypischen Bodenart nebst ihrer Vegetation, festgeschrieben.

Seit 2011 kümmert sich der Nabu um die Düne. Gemeinsam mit dem Bezirksamt entfernte man zunächst 70 untypische Bäume und auch Sträucher. Hartl hofft, dass bereits in zwei Jahren der Hügel in einem Zustand ist, wie es sich für eine Düne gehört. Denn aus ihr soll ein begehbares Anschauungsobjekt werden.