Berlin-Mitte - Zurzeit läuft es wie geschmiert für den Wissenschaftsstandort Berlin. In den vergangenen acht Wochen hat die Stadt 1,5 Milliarden Euro zusätzlich zugesagt bekommen: 600 Millionen Euro investiert Siemens in einen Innovationscampus, mehr als 300 Millionen Euro haben die hiesigen Universitäten im Rahmen der Exzellenzstrategie des Bundes eingeworben, und nun bekommt auch das Museum für Naturkunde einen dicken Batzen.

In den nächsten zehn Jahren werden der zur Leibniz-Gemeinschaft gehörigen Einrichtung 660 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Der Haushaltsausschuss des Bundestags wird am Donnerstag aller Voraussicht nach beschließen, die Institution mit 330 Millionen Euro zu unterstützen, das Land Berlin wird mit der gleichen Summe kofinanzieren. Geplant ist die Entwicklung zu einem Forschungs- und Kommunikationsforum. Unter anderem soll die komplette Sammlung des Hauses digitalisiert werden, die Gebäude werden saniert und die Ausstellungsfläche deutlich vergrößert. 

Ein neues Zeitalter

Vor der Kulisse des gut 13 Meter großen Brachiosaurus brancai im Lichthof des Museums verkündete der Regierende Bürgermeister und Wissenschaftssenator Michael Müller (SPD) am Mittwoch die gute Nachricht. „Wir treten mit dem Naturkundemuseum in ein neues Zeitalter ein.“ Nun könne die Einrichtung schneller vorangebracht werden und aufschließen zu den großen naturkundlichen Häusern der Welt. 

Museumsdirektor Johannes Vogel zeigte sich ebenfalls überglücklich. „Der Welt geht es nicht gerade gut“, sagte er mit Blick auf Probleme wie Umweltzerstörung und Artensterben. Um die Lage zu verbessern, müsse man unbedingt wissenschaftliche und gesellschaftliche Lösungen finden. Das Berliner Naturkundemuseum sei ein Ort, an dem Wissenschaft und Gesellschaft sich treffen können, um zusammen Lösungen zu finden. „Man kann diese Welt retten, aber das geht nur gemeinsam“, sagte Vogel. 

In Sicherheit möchte er aber auch die Schätze des Museums wissen. Mehr als 30 Millionen Objekte aus Zoologie, Paläontologie, Geologie und Mineralogie finden sich in der Sammlung des Hauses. Die meisten davon sind nicht ausgestellt, sondern lagern im Depot, wo jedoch Brandschutz und konservatorische Bedingungen in dem alten Gebäude größtenteils unzureichend sind. Johannes Vogel macht sich vor allem um die Folgen im Falle einer Feuersbrunst Sorgen. „In Berlin darf nicht so etwas passieren wie in Rio de Janeiro“, sagte er. In der brasilianischen Stadt war im September das Nationalmuseum ausgebrannt, weil der Brandschutz völlig unzureichend war. 

Mehr Platz für Dinos

Mit Sicherheit wird also in dem neuen Sammlungsgebäude, das für die Museumsobjekte nun errichtet werden kann, der Brandschutz eine große Rolle spielen. Bei der Planung des Gebäudes werde man zudem berücksichtigen, dass die Objekte auch für die Öffentlichkeit sichtbar sind, sagte Vogel. Dieses Konzept wurde bereits im Ostflügel verwirklicht, der im Zweiten Weltkrieg bis auf die Grundpfeiler zerstört worden war und nach Restaurierung im Jahr 2010 wiedereröffnet wurde. Er beherbergt die sogenannte Nass-Sammlung. Dabei handelt es sich um Objekte von Tieren, die in einer Mischung aus Alkohol und Wasser aufbewahrt werden. Sie sind eigentlich für die Forschung gedacht, aber nun Teil der Ausstellungsfläche. 

Für die Vergrößerung der derzeit 6600 Quadratmeter umfassenden Ausstellungsfläche um 20.000 Quadratmeter sei hingegen kein Neubau notwendig, sagte Vogel. Das Museumsgebäude biete genügend Reserven. Unter anderem ist geplant, auf der zusätzlichen Fläche weitere Dinosaurier-Fossilien auszustellen – und zwar aus allen drei Zeitaltern, in denen die Giganten lebten. Bisher können Besucher vor allem Zeitgenossen des Brachiosaurus sehen, die aus dem Oberjura stammen. Tristan, der spektakulär gut erhaltene Tyrannosaurus rex, wird dann wohl nicht mehr unter den Berliner Stars sein. Seine Eigentümer haben ihn für eine begrenzte Zeit zur Verfügung gestellt, die Ende Dezember abläuft.