Naturkundemuseum Berlin: Schätze in den Sammlungen des Naturkundemuseums

Portal V auf der rechten Seite des Naturkundemuseums ist der Eingang, den die Mitarbeiter nehmen. Es gibt dort keine Halle mit gewaltigen Sauriern, die den Besucher empfangen, nur eine kleine Vitrine mit ein paar staubigen Exponaten – nichts deutet darauf hin, dass wir gerade eines der bedeutendsten Naturkundemuseen der Welt betreten.

Am Eingang erwartet uns Dr. Peter Bartsch, ein kleiner Mann mit grauem Rauschebart, schwarzen Zimmermannshosen, Weste und Wanderschuhen. Bartsch stammt aus Köln, ist 57 Jahre alt, seit 1996 ist er einer der 116 wissenschaftlichen Mitarbeiter im Haus. Er führt uns über Treppen, durch Winkel und Gänge, vorbei an Schränken und Vitrinen, die hier seit hundert Jahren und mehr stehen, ins Hinterland des Museums – dorthin, wo über 90 Prozent aller Exponate untergebracht sind. Es sind gewaltige Sammlungen, die hier zusammengekommen sind, seit das Museum am 2. Dezember 1889 von Kaiser Wilhelm II. eröffnet wurde. 15 Millionen Insekten lagern hier in unzähligen Kästen, fein nebeneinander aufgespießt und beschriftet. Zehn Millionen andere wirbellose Tiere liegen in Schränken, 580.000 Wirbeltiere. Dazu kommen 1,2 Millionen fossile Wirbeltiere und 1,1 Millionen fossile Wirbellose.

In einem der zahllosen Räume irgendwo in den Tiefen des Museums arbeiten Christina Kuhlmann und Felix Maier. Mit einem Verfahren, das hier in der Invalidenstraße entwickelt wurde, digitalisieren sie die Insektenbestände. Jeder Käfer wird in etwa 40 Positionen 4000 Mal fotografiert, daraus errechnet der Computer ein 3D-Bild mit großer Tiefenschärfe. Das wird dann kostenfrei ins Netz gestellt. Dort kann man es drehen und wenden und noch das kleinste Härchen betrachten.

Natürlich sind es vor allem die Saurier, die die Besucher anziehen. Aber sie sehen nur einen Bruchteil der Museumsbestände, wenn auch den spektakulärsten. Bartsch führt uns in den sogenannten Knochenkeller. In langen Regalen lagern hier unzählige versteinerte Saurierknochen, seit vor über hundert Jahren die sogenannte Tendaguru-Expedition aus Tansania in Ostafrika 250 Tonnen solcher versteinerten Skelettteile nach Berlin brachte. Darunter war auch das ziemlich vollständiges Skelett eines Brachiosaurus brancai. Ergänzt durch fossile Teile anderer Tiere wurde es 1937 erstmals ausgestellt. Sein Schädel ist allerdings aus Kunststoff. Ein zerbrechliches Original liegt geschützt in einer Plexiglasvitrine im Depot. Auch der 150 Millionen alte, enorm wertvolle Urvogel Archaeopteryx lag lange im Tresor, ehe er hinter Panzerglas in die Ausstellung kam – die „Nofretete“ des Museums. Im Safe lagern heute noch die wertvollsten Stücke des Museums, zum Beispiel eine Feder des Archaeopteryx.

Gerade ist wieder Saurierzeit. Hinter den Kulissen werden die Knochen des Tyrannosaurus Tristan für seinen großen Auftritt im Dezember zum Skelett zusammenmontiert. Die Schädelreste von Tristan wurden bereits mit dem CT in der Charité untersucht. Detailnah sind zudem alle Knochen fotografiert, von jedem Einzelstück gibt es photogrammetrische 3D-Modelle.

Peter Bartschs Metier sind die Fische, deren Sammlungen im Museum er als Kurator betreut. 30.000 verschiedene Arten gibt es auf der Welt. Hier im Museum liegen 135.000 einzelne Exemplare, trocken präpariert in Regalen und Vitrinen, mehrere Meter lang oder nur einige Zentimeter. Oder sie schwimmen in 70-prozentigem Alkohol, in 55.000 Gläsern gesammelt.

Bartsch holt ein Glas aus einem der Regale, eine Grimasse mit offenem Maul voller spitzer Zähne glotzt uns leicht entsetzt an. Ein Schwarzanglerfisch, erläutert er, auch als Tiefseeteufel bekannt. Er wurde er am 13. März 1899, fünf Uhr morgens, von Kapitän Adalbert Krech östlich von Sansibar mit einem Vertikalnetz in 1500 bis 2500 Meter Tiefe gefangen. Vieles hier ist so exakt dokumentiert. Bartsch hat es dieser Meeresbewohner angetan. Kürzlich hat er ihm in einem Buch über die Welt des Naturkundemuseums ein ganzes Kapitel gewidmet.