An diesem Montag eröffnet im Berliner Naturkundemuseum die Sonderausstellung über Pandabären. Viele Besucher werden sich spätestens beim Anblick der lebensecht präparierten Zoo-Pandas Bao Bao und Yan Yan fragen, ob Berlin je wieder ein Panda-Paar bekommen wird. Und ob womöglich ein Junges in Berlin geboren und etliche Besucher anziehen wird wie einst Eisbär Knut.

Ginge es nach den Interessen des Zoos, hätte Berlin längst ein Panda-Paar. „Der Zoo würde sich über ein junges Panda-Paar freuen und verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der Haltung von diesen Tieren“, sagt Zoo-Sprecherin Christiane Reiss.

Doch der Zoo kann sich bemühen wie er will, bei Pandas reichen die üblichen Verhandlungen und Verträge zwischen Tierpark-Chefs und Forschungseinrichtungen in aller Welt nicht aus. Pandas sind Raritäten, und China ist das einzige Land, in dem heute noch etwa 2.000 Tiere in freier Wildbahn leben. Das Land verkauft längst keine Pandas mehr, sondern verleiht sie zu Zuchtzwecken an ausgewählte Nationen.

Über solche Leihgaben verhandelt die chinesische Regierung auf höchster politischer Ebene, sei es mit Regierungschefs oder in diplomatischen Kreisen. Im vergangenen Jahr gab es Berichte, Bundeskanzlerin Angela Merkel habe mit Chinas Staatspräsident Xi Jinping über eine Panda-Leihgabe verhandelt. Doch offiziell bestätigen will das die Bundesregierung natürlich nicht. „Die Bundesregierung führt keine Verhandlungen in dieser Angelegenheit“, teilte ein Regierungssprecher der Berliner Zeitung auf Nachfrage mit.

Aus der chinesischen Botschaft in Berlin heißt es hingegen, die Regierung arbeite bezüglich des Pandaschutzes nur mit wenigen Ländern zusammen, darunter auch mit Deutschland. Beide Länder stellten Fachkräfte und Geld zum Schutz von Pandas zur Verfügung. „Die pandabezogenene Zusammenarbeit wirkt sich positiv auf die Freundschaft zwischen China und Deutschland aus. Die deutsche Seite hat auf verschiedenen Ebenen den Wunsch bekundet, diese Zusammenarbeit fortzusetzen. China ist zu konkreten Gesprächen bereit“, sagte ein Mitarbeiter der Botschaft.

Es gibt also Hoffnung. Auch deshalb, weil einer der beiden präparierten Pandabären, Yan Yan, nach Ende der Ausstellung im Naturkundemuseum im Juli an China zurückgegeben wird. Im Zoo glaubt man, dass diese Rückgabe eine Bedingung der Chinesen sei, bevor sie Deutschland weitere Tiere überließen. Die Präparatoren im Naturkundemuseum haben ihre chinesischen Kollegen in den vergangenen Monaten geschult, als die Kadaver von Bao Bao und Yan Yan für die Ausstellung hergerichtet wurden. „Berlin tut wirklich alles“, heißt es im Zoo.

Sexmuffel

Dort waren im Jahr 1980 zum ersten Mal die Pandas Bao Bao (Schätzchen) und Tjen Tjen (Himmelchen) zu sehen, sie waren ein Staatsgeschenk der Chinesen an Bundeskanzler Helmut Schmidt. Tjen Tjen starb 1984 an einer Virusinfektion. Bao Bao lebte daraufhin allein. 1995 verlieh China Yan Yan (Die Schöne) nach Berlin, die beiden wurden aber kein Paar.

Trotz medizinischer Hilfe und künstlicher Befruchtung brachten sie keinen Nachwuchs zustande. Panda-Elternschaft ist grundsätzlich sehr schwierig, denn die Tiere gelten als Sexmuffel. Außerdem haben die Weibchen nur einmal im Jahr einen Eisprung, die Empfängnisbereitschaft dauert jeweils nur wenige Tage.

2007 starb Yan Yan an einer Darmverstopfung, 2012 folgte Bao Bao. Er wurde 34 Jahre alt. Beide Kadaver wurden in Tiefkühltruhen zu Präparationszwecken aufbewahrt. Auch die Besucher des Tierparks in Friedrichsfelde konnten schon einmal einen dieser schwarz-weißen Bären mit Kulleraugen beim Bambusfressen beobachten. Das ist allerdings sehr lange her. 1958 lebt Pandabär Chi Chi für drei Wochen dort, das Tier war auf der Durchreise von Peking nach New York. Während dieser Zeit besuchten etwa 400 000 Besucher Chi Chi.

Auf einen solchen Besucheransturm hofft jetzt auch der Zoo, sollten tatsächlich zwei Pandas in die Hauptstadt kommen. Weltweit hat China derzeit 42 Pandas an zwölf Länder ausgeliehen, in Europa sind das zurzeit England, Frankreich und Österreich. Berlin ist davon überzeugt, sehr gute Voraussetzungen für eine eigene Pandazucht zu haben – auch wegen seiner guten Kooperation mit dem Berliner Leibniz-Institut für Zucht- und Wildtierforschung (IZW) und dem Naturkundemuseum. Der leitende Tierarzt des IZW, Frank Göritz, hat im April 2014 den Zoo von Edinburgh besucht, um bei der Befruchtung des Pandaweibchens Tian Tian zu helfen.

Im Berliner Zoo würde man zur Ehre der chinesischen Gäste sogar eine neue Anlage für sie bauen. Vielleicht klappt es ja dann auch mit dem Nachwuchs.